Die Bedeutung von Abwärme als erneuerbare Energiequelle

Abwärmenutzung wird immer wichtiger, wenn es um Fernwärme geht. Wir zeigen die innovativsten Wärmeprojekte in Wien.
Aktualisiert am: 20.01.2025
Innovative Wärmentzung in Wien: Von Manner bis Kläranlage

Abwärme spielt eine zentrale Rolle in der Energiewende. Es handelt sich dabei um Energie, die etwa bei industriellen Prozessen oder der Kühlung "nebenbei" entsteht und nicht das gewünschte Endprodukt ist. Sie bleibt daher oft ungenutzt. Wir nutzen diese Abwärme, um Wohnungen zu heizen und die Fernwärme noch umweltfreundlicher zu machen.

Wien ist Vorreiter beim Klimaschutz und hat sich ein klares Ziel gesteckt: Klimaneutralität bis 2040. Um das zu erreichen, setzen wir auf klimafreundliche Energien wie Abwärme. In Wien gibt es bereits zahlreiche Projekte zur Abwärmenutzung. Die Integration von Abwärme aus Rechenzentren, großen Kühlanlagen oder Fabriken ins Fernwärmenetz trägt dazu bei, die Stadt nachhaltiger zu gestalten.

Mit diesen Projekten leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur effizienten Ressourcennutzung und zur Senkung des CO₂-Ausstoßes.

Das Fernwärmenetz von Wien

Vereinfachte Darstellung des Fernwärme Netzes in Wien

Das Wiener Fernwärmenetz ist über 1.350 Kilometer lang und eines der größten in Europa. Es versorgt 479.000 Haushalte und 8.000 Großkund*innen zuverlässig mit Wärme.

Aktuell wird etwa 50 % der Wärme in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugt. Die andere Hälfte stammt aus industrieller Abwärme, Biomasse, Müllverbrennung, Erd- und Umgebungswärme sowie Heizkraftwerken.

Ziel ist es, die Fernwärme bis 2040 vollständig aus erneuerbaren Quellen zu speisen. Dafür setzen wir auf die verstärkte Nutzung von Abwärme und den Ausbau von Geothermie. Auch Großwärmepumpen sollen künftig noch stärker zum Einsatz kommen.

Innovative Technologien zur Abwärmenutzung

Mit modernen Technologien wie Wärmepumpen und Wärmetauschern kann Abwärme effizient genutzt werden. Sie erhöhen die Temperatur der Abwärme, sodass diese in das Fernwärmesystem eingespeist werden kann und so zur nachhaltigen Energieversorgung beiträgt. Ganz nach dem Motto "Wärme aus Wien für Wien" setzen wir überall in der Stadt solche innovativen Abwärme-Projekte um.

Therme Wien

Grafische Darstellung der Abwärmenutzung bei der Therme Wien

Ein Beispiel dafür ist die Therme Wien in Oberlaa. Wien Energie nutzt die Restwärme des Thermal-Abwassers, um etwa 1.900 Haushalte in Oberlaa klimafreundlich zu beheizen. Darüber hinaus wurden auf den Dächern der Therme Photovoltaikanlagen installiert, die rund 400 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen.

Klinik Floridsdorf

Wärmepumpen im Rechenzentrum Digital Reality, das die Klinik Floridsdorf mit Abwärme versorgt

Auch die Klinik Floridsdorf zeigt, wie innovative Technologien zur Abwärmenutzung beitragen können. Hier wird Überschusswärme aus den Serverräumen des benachbarten Rechenzentrums genutzt. Eine speziell entwickelte Wärmepumpenanlage wandelt die Abwärme in Fernwärme um, die bis zu 70 Prozent des Wärmebedarfs der Klinik deckt. Gleichzeitig kühlt die Anlage die Serverräume des Rechenzentrums. Also eine Win-Win-Situation, die bis zu 4.000 Tonnen CO₂ pro Jahr einspart.

Manner Fabrik

Die Abwärme, die in der Manner-Fabrik beim Backprozess entsteht, wird in das lokale Fernwärmenetz eingespeist.

Ein weiteres Beispiel ist der Waffelofen der Manner-Fabrik in Wien-Hernals. Die bei der Produktion entstehende Abwärme versorgt nicht nur den Betrieb selbst, sondern speist auch jährlich 5.600 Megawattstunden Energie in das lokale Fernwärmenetz ein. Davon profitieren etwa 600 Haushalte in der Umgebung.

ebswien Kläranlage

Diagramm über die Funktion der Großwärmepumpe in Simmering. Die Grafik zeigt die Komponenten und den Energiefluss mit der Stadt Wien im Hintergrund.

An der ebswien Kläranlage sorgt eine der größten und modernsten Großwärmepumpen Europas für effiziente Abwärme-Nutzung. Sie erzeugt Wärme aus dem gereinigten Abwasser der benachbarten Kläranlage, das früher ungenutzt in den Donaukanal floss. Im Vollausbau wird die Anlage 112.000 Haushalte mit klimaneutraler Wärme versorgen.

Kraftwerk Simmering

Ansicht der Großwärmepumpe in Simmering.

Auch im Kraftwerk Simmering nutzen wir Wärme aus dem dort vorhandenen Wasser. Eine Großwärmepumpe nutzt die Restwärme aus dem Kühlwasser des Kraftwerks für die Fernwärme und liefert damit rund 25.000 Haushalten umweltfreundliche Wärme.

UNO-City

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Bei der UNO-City in der Donaustadt wird Abwärme ebenfalls sinnvoll genutzt. Die Abwärme, die bei der Kühlung der Gebäude entsteht, wird über Wärmepumpen in das Fernwärmenetz eingespeist. Jährlich werden dadurch rund 2.400 Haushalte in der Umgebung klimaneutral beheizt.

Vio Plaza Meidling

Energiezentrale Vio Plaza

Beim Gewerbeprojekt Vio Plaza wird die Abwärme des Kanals genutzt. Dort bauen wir den Wiental-Sammelkanal zu Österreichs größten Kälte-Wärme-Anlage um. Diese liefert eine Kälterückkühlleistung von bis zu 6 MW und eine Wärmegewinnung von bis zu 1,2 MW.

Die Rolle der Stadtplanung und -entwicklung

Fernwärme Heute - Wiener Wärmeplan 2040

Die Stadtplanung in Wien spielt eine entscheidende Rolle bei der Förderung von Abwärmenutzungsprojekten. Der Wiener Wärmeplan teilt die Stadt in verschiedene Gebiete ein, in denen unterschiedliche Wärmelösungen zum Einsatz kommen. In dichter besiedelten Bereichen wird auf den massiven Ausbau von Fernwärme gesetzt, zu deren Dekarbonisierung die Nutzung von Abwärme beiträgt. Während in weniger dicht bebauten Gebieten alternative Lösungen wie Wärmepumpen bevorzugt werden.

Pilotprojekte wie die Aspern Smart City zeigen, wie innovative Energie-Konzepte in die Stadtplanung integriert werden können. Hier wird nicht nur Abwärme genutzt, sondern auch die intelligente Vernetzung von Energieerzeugung und -verbrauch erforscht.

Durch die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Forschung und Politik setzt Wien neue Standards für nachhaltige Stadtentwicklung und beweist, wie Klimaschutz und Lebensqualität Hand in Hand gehen können.

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