PV-Anlagen & Tiere auf der gleichen Fläche – Geht das?
Bei richtiger Planung können PV-Anlagen neuen Lebensraum schaffen. Drei Beispiele zeigen, wie das gelingen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- PV-Freiflächenanlagen bieten bei richtiger Konzeption neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
- Auf vielen Anlagen von Wien Energie leben dank Blühwiesen, Nisthilfen, Reptilienhabitaten und extensiver Pflege verschiedene Tierarten.
- Studien und Gutachten belegen: Biodiversitätsfreundliche Anlagen übertreffen klassische Agrarflächen oft deutlich in Bezug auf Arten- und Individuenzahl.
Entgegen häufiger Vorurteile müssen PV-Anlagen auf Freiflächen nicht automatisch auf Kosten der Natur gehen. Ganz im Gegenteil! Wird richtig geplant, können die Solarparks zur neuen Heimat verschiedener Tiere werden. Wien Energie zeigt anhand von drei Beispielen, wie das funktionieren kann.
PV-Anlagen als Chance für die Natur

Typische Auswirkungen konventioneller Landnutzung
Intensive Landwirtschaft, Siedlungsbau und Flächenversiegelung gelten als Hauptverursacher des Biodiversitätsverlustes. Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden haben dazu geführt, dass viele Lebensräume zerstört wurden.
Versiegelte Flächen verschärfen die Lage zusätzlich. Wasser kann nicht mehr versickern, Hitze staut sich, und Tiere verlieren Wanderkorridore. Selbst typische Arten der Agrarlandschaft wie Feldhamster, Rebhuhn oder Feldlerche sind heute in vielen Regionen stark bedroht.
Ökologische Auswirkungen von Photovoltaik
PV-Anlagen, besonders Freiflächenanlagen, werden oft als negativer Eingriff in die Natur gesehen. Doch das stimmt nicht immer. Richtig geplant und umgesetzt, können sie neue Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen schaffen und zu wertvollen Biotopinseln werden. Das gilt vor allem für ökologisch belastete Standorten wie Deponien, Schotter- oder Ackerflächen.
Studien zu unseren Anlagen in Guntramsdorf oder in der Schafflerhofstraße zeigen, dass die Umwandlung von intensiv genutzten Ackerflächen in extensiv bewirtschaftetes Grünland mit Photovoltaikmodulen die Biodiversität an diesen Standorten gesteigert hat und die Artenvielfalt bei Pflanzen, Insekten und Vögeln erhöht. Besonders bodenbrütende Vogelarten wie Rebhuhn und Feldlerche profitieren von den neuen Lebensräumen.
Freiflächenanlagen tragen außerdem nicht zur Bodenversiegelung bei, denn die Modulträger werden nur punktuell verankert. Der Boden unter den Anlagen bleibt durchlässig, das Regenwasser kann versickern und die Vegetation kann sich ausbreiten. Unter den Modulen kann ein dauerhafter Lebensraum für Insekten, Reptilien und Kleinsäuger entstehen. Unter bestimmten Bedingungen erfüllen diese Flächen sogar Kriterien für sogenannte High Nature Value Farmlands (HNV). Das sind landwirtschaftliche Flächen, die durch ihren großen Artenreichtum bzw. durch das Vorkommen von Arten mit hohem Schutzinteresse charakterisiert sind.
Das sind die tierischsten PV-Anlagen von Wien Energie
Agri-PV-Anlage Schafflerhofstraße
Agri-Photovoltaik (Agri-PV) bezeichnet die gleichzeitige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für die Stromgewinnung und die Lebensmittelerzeugung. Durch gezielte Konstruktionen, etwa hoch oder vertikal montierte Module, bleibt genug Raum für landwirtschaftliche Tätigkeit zwischen und unter den Solarpaneelen.
Diese Form der Doppelnutzung bietet viele Vorteile:
- Schutz vor Witterungsextremen
- Geringerer Wasserverbrauch durch reduzierte Verdunstung
- Erhalt landwirtschaftlicher Nutzung trotz Energiewende
- Förderung von Biodiversität durch strukturreiche Pflege
Unser Vorzeigeprojekt an der Schafflerhofstraße zeigt, wie das funktioniert. Auf einer ehemaligen Schotterdeponie in Wien-Donaustadt wird nicht nur Strom für 8.700 Haushalte produziert, sondern auch Landwirtschaft betrieben. Dort stehen rund 400 bifaziale, doppelseitige Module vertikal in Ost-West-Ausrichtung, mit zehn Metern Reihenabstand. So bleibt genug Platz für Traktoren und Ackerbau.
Am Schafflerhof werden unter anderem Soja, Winterweizen und Dinkel angebaut. Gleichzeitig grasen auf derselben Fläche 150 Jura-Schafe. Sie übernehmen nicht nur den Grünschnitt, sondern verbreiten über ihre Wolle Samen und Pollen und tragen so zur ökologischen Vielfalt bei. Zugleich nutzen die tierischen Rasenmäher die Module an heißen Tagen als Schattenspender. Eine Win-Win-Situation für Tier und Technik.
Beobachtungen auf der Fläche belegen die ökologische Aufwertung seit der Installation der Agri-PV-Anlage. Mäusebussarde, Feldhasen, Füchse, Heuschrecken, Käfer und viele weitere Arten leben heute dort, wo früher Bauschutt gelagert wurde. Zudem sorgen 30 Nisthilfen an Modulaufständerungen für bessere Brutbedingungen für Vögel.
Auch an die heimischen Reptilien wurde gedacht: Alte Betonteile dienen als Sonnen- und Versteckplätze für Zauneidechsen. Ergänzt werden sie durch Totholz und Steinhaufen, die auch Kleinsäugern wie Feldhamstern Schutz bieten.
Freiflächen-Photovoltaikanlage Rosiwalgasse
Hier entsteht seit über zehn Jahren nicht nur Ökostrom, sondern auch Honig. In Zusammenarbeit mit dem Verein Stadtimker leben etwa eine Million Bienen in zehn Bienenstöcken bei der PV-Anlage. Jährlich produzieren sie mehr als 100 Kilogramm Honig.
Auch die umgebende Grünfläche bietet zahlreichen Arten einen Lebensraum. Feldhamsterbauten, 13 Heuschreckenarten, Eidechsen, Schnirkelschnecken und Krabbenspinnen wurden hier dokumentiert. Dieses Projekt zeigt, wie selbst kleinere Anlagen im urbanen Raum wichtige ökologische Funktionen übernehmen können.
PV-Anlage Guntramsdorf
Die Freiflächen-Photovoltaikanlage in Guntramsdorf wurde auf ehemals intensiv genutztem Ackerland errichtet. Heute entsteht dort durch extensive Pflege und zurückhaltende Nutzung ein strukturreicher Lebensraum mit hohem Blütenangebot. Ein Magnet für Insekten und Bestäuber!
Das hat an dieser Anlage zu einer deutlichen Zunahme der Insektenvielfalt geführt. Die Anzahl der Heuschrecken- und Tagfalterarten auf der PV-Anlage Guntramsdorf ist deutlich höher als auf den benachbarten Ackerflächen. Auch fünf gefährdete Arten der Roten Liste, wie etwa die Grüne Strandschrecke, konnten nachgewiesen werden.
Die Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass die Anlage in Guntramsdorf auch bei typischen Feldvogelarten beliebt ist. Die Feldlerche kommt hier häufiger vor als auf der angrenzenden Ackerfläche und auch Rebhühner wurden auf der PV-Anlage mehrfach beobachtet, auf der Vergleichsfläche hingegen gar nicht. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Fläche unter den PV-Modulen nicht nur Nahrung bietet, sondern auch Deckung und Brutplätze.

Mehr Artenvielfalt auf PV-Flächen – was man noch tun kann
Gute Planung ist entscheidend: Standortwahl & Gestaltung
Die ökologische Wirkung einer PV-Anlage beginnt mit ihrer Planung. Besonders geeignet sind Flächen, die zuvor intensiv genutzt wurden, etwa Ackerland oder Bauschuttdeponien. Werden diese Flächen in artenreiche Wiesen und strukturreiche Lebensräume verwandelt, entsteht echter Mehrwert für Natur und Klima. Je vielfältiger die Gestaltung, desto mehr Arten finden auf und rund um die PV-Anlage geeignete Bedingungen.
Zertifizierungen und Förderprogramme nutzen
Biodiversitätsfreundlich geplante Anlagen bringen nicht nur der Umwelt was, sondern auch den Energiedienstleistern. Mit der EU-Taxonomie und der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) steigen die Anforderungen an Unternehmen, ihre Umweltwirkung transparent zu machen. Umweltfreundliche Anlagen erfüllen diese Anforderungen und eröffnen Zugang zu Förderprogrammen.
Außerdem steigt die gesellschaftliche Akzeptanz. Projekte, die zeigen, dass Energie und Natur zusammengedacht werden, stoßen auf weniger Widerstand und fördern das Vertrauen in die Energiewende.
Als Bürger*in bewusst unterstützen
Auch das persönliche Engagement zählt. Wer Ökostrom bezieht, sich an Energiegemeinschaften oder Bürger*innen-Solarkraftwerken beteiligt oder kommunale Projekte unterstützt, fördert einen naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien. Jede Entscheidung für artenfreundliche PV ist ein Schritt in Richtung nachhaltiger Zukunft.
Fazit
Photovoltaik und Natur lassen sich gut verbinden. Richtig geplant entstehen Flächen, auf denen Energie erzeugt und gleichzeitig neue Lebensräume geschaffen werden.













