Wohnen in der Zukunft – Interview mit einer Bewohnerin der Seestadt Aspern
Die Seestadt Aspern ist ein viel beachtetes und einzigartiges Projekt in Europa. Wir wollten wissen, wie es sich so lebt in der „Energiezukunft“, und haben uns mit Bewohnerin Andrea Wienerroiter zum Interview getroffen.
2016 wurde das Forschungsprojekt der ASCR in der Seestadt Aspern mit dem World Smart City Award ausgezeichnet.
Für Wien Energie sind hier vor allem die Energiedaten interessant, die im sogenannten lebenden Forschungslabor gesammelt werden können. Koordiniert wird das Ganze über die Aspern Smart City Research (ASCR).
Den Bewohner*innen hilft es, in Sachen Energieeffizienz nicht nur auf dem neuesten Stand zu sein, sondern auch optimale Werte zu erreichen. Seit dem Jahr 2017 steht ihnen auch die Mieter-App zur Verfügung. Wir haben nachgefragt, wie es sich in der "Energiezukunft" so lebt.
Andrea Wienerroiter und ihr siebenjähriger Sohn wohnen seit einiger Zeit in der Seestadt und haben unsere Fragen zu den Themen Energiezukunft, Mieter-App, Energieeffizienz und natürlich auch zum Projekt „Seestadt“ selbst beantwortet:
Durch die eingesetzte Technologie in Ihrer Wohnung in der Seestadt Aspern können Heizung, Lüftung sowie ausgewählte Steckdosen via App mobil gesteuert werden. Was davon nutzen Sie am häufigsten und wo sehen Sie für sich persönlich den größten Nutzen?
Wienerroiter: Also im Winter werde ich sicher wieder hauptsächlich die Heizung mit der App steuern. Das ist praktisch, wenn man in der Arbeit ist oder einige Tage wegfährt: Wenn man vergisst, die Heizung runterzuregeln, kann man das unterwegs jederzeit nachholen und so Energie sparen.
Ebenso regle ich die Heizung schon vor dem Wegfahren rauf, und wenn ich heimkomme, ist die Wohnung wieder warm. Das schätze ich sehr, denn aufgrund der Fußbodenheizung muss ich eine längere Aufheizdauer einplanen. Da reicht es nicht, beim Heimkommen schnell aufzudrehen.
Aber auch die Lüftung per App zu steuern hat Vorteile: Über die App sehe ich z. B. jederzeit die aktuelle Luftfeuchtigkeit, die in der Wohnung herrscht, und kann so verschiedene Lüftungsstufen einsetzen.
Was macht die Seestadt aus Ihrer Sicht zu einem einzigartigen Wohnprojekt?
Wienerroiter: Sicher einmal, dass bei der Architektur auf möglichst viel Freiraum geachtet wurde. Nahezu jede Wohnung hat einen Balkon oder eine Terrasse, die meisten Häuser haben zusätzlich begrünte, autofreie Höfe, die von allen genutzt werden können.
Dazu wurde großes Augenmerk auf eine Gestaltung gelegt, die es uns Bewohner*innen ermöglicht, leichter miteinander in Kontakt zu treten. Mein Sohn hat dadurch auch sehr schnell viele neue Freunde gefunden.
Was war die Motivation für Sie, in die Seestadt Aspern zu ziehen?
Wienerroiter: Die Reduzierung des Autoverkehrs, die vielen Grünflächen, der See natürlich und die Nähe zur Lobau. Es entsteht viel Neues und es gibt immer wieder tolle Veranstaltungen, gerade auch für Familien. Es ist für mich auch spannend zu beobachten, wie neue Häuser entstehen. Veränderungen akzeptieren können gehört allerdings auch dazu …
War Ihnen das Thema Energieeffizienz oder bewusster Umgang mit Energie davor ein Anliegen?
Wienerroiter: Ja, es war mir schon immer wichtig, aber durch die Infoveranstaltungen im Rahmen des ASCR-Forschungsprojektes bin ich doch mehr sensibilisiert worden. Mit der App habe ich nun zudem meinen täglichen Verbrauch im Blick.
An welchen Daten, die in Ihrer Wohnung erfasst werden, haben Sie das größte Interesse?
Wienerroiter: Am Strom- und Wasserverbrauch, aber auch an der Luftfeuchtigkeit.
Inwiefern erleichtert die ASCR-App die Darstellung der Daten und die Steuerung des Home Automation Systems für Sie?
Wienerroiter: Ich sehe jetzt mit einem Klick die aktuelle Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und den Wasserverbrauch. Zudem kann ich jetzt einfach Vergleiche anstellen. Die Grafik macht den unterschiedlichen Verbrauch sehr gut sichtbar.
Was bekommen Sie von den gewonnenen Daten mit? Inwiefern werden Sie über neue Erkenntnisse informiert?
Wienerroiter: Zum einen habe ich selbst jederzeit Zugriff über die App, zum andern werden wir im Zuge eigener Infoveranstaltungen vom ASCR-Team informiert.
Was bedeutet es für Sie, die Wiener Energiezukunft mitzugestalten?
Wienerroiter: Ich bin prinzipiell ein interessierter Mensch. Ich finde es spannend, auch Einblick in Entwicklungen zu bekommen, mit denen ich im Alltag sonst wenig zu tun habe.
Welche Erwartungen haben Sie an das Projekt ASCR und würden Sie es weiterempfehlen?
Wienerroiter: Ich würde mir wünschen, dass das Projekt noch möglichst lange weiterläuft – auf das Home Automation System und die App würde ich ungern verzichten wollen … Empfehlen würde ich es vor allem jenen, die Entwicklungen im Energiesektor selbst miterleben und ausprobieren wollen.
Wir haben weitere interessante Beiträge für dich "Forschung in der Seestadt Aspern: Die Zukunft der Wiener Energienutzung" sowie "Wie bauen wir in Zukunft? Expert*innen-Runde für nachhaltige Stadtentwicklung".
(Das Interview wurde im Jahr 2017 durchgeführt)


