Wintermodus bei Fenstern – Gibt es ihn wirklich?

Schon einmal vom sogenannten „Wintermodus“ oder Winterbetrieb von Fenstern gehört? Wir erklären, worauf man bei Fenstern in der kalten Jahreszeit achten sollte.
Aktualisiert am: 26.02.2025
Fenster mit Blick auf einen verschneiten Wald, Vase mit weißen Zweigen, gestricktes Dekor, Geschenkbox und eine brennende Laterne auf der Fensterbank.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kein echter „Wintermodus“: Gemeint ist die Einstellung des Anpressdrucks zwischen Fensterflügel und Rahmen.
  • Winter = höherer Druck: Dichtet besser ab, verhindert Zugluft und spart Heizkosten.
  • Sommer = geringerer Druck: Fördert Luftzirkulation, reduziert Kondenswasser.
  • Einstellung möglich: Mit Werkzeug oder per Hand – besser durch Fachkraft durchführen lassen.
  • Dichtheit prüfen: Mit Papiertrick, Feuerzeug oder Lärmtest.
  • Pflege wichtig: Dichtungen regelmäßig kontrollieren und ggf. austauschen.
  • Materialunterschiede: Kunststoff, Holz und Alu haben unterschiedliche Eigenschaften bei Dichtheit und Wartung.

Was bedeutet „Wintermodus“ bei Fenstern?

Der Begriff „Wintermodus“ ist etwas verwirrend, aber auf einen geschichtlichen Fakt zurückzuführen. Früher gab es spezielle „Winterfenster“, die vor die bestehenden Fenster eingebaut wurden. Durch die zusätzliche Scheibe ist die Kälte im Winter draußen geblieben. Im Sommer wurden diese wieder entfernt.

Heutzutage gibt es keinen echten „Wintermodus“ mehr. Der Begriff bezieht sich vielmehr auf die Einstellung des Anpressdrucks zwischen Fensterflügel und -rahmen. Dieser kann je nach Jahreszeit angepasst werden, um Energieverluste zu minimieren.

Je stärker der Flügel auf den Rahmen drückt, desto dichter ist das Fenster. Durch den hohen Anpressdruck wird die Dichtung im Fenster zusammengedrückt, was im Winter Zugerscheinungen verhindert und dabei hilft, Heizkosten zu sparen.

Moderne Fenster sind jedoch so eingestellt, dass sie das ganze Jahr über optimal abdichten.

Kann man den Wintermodus bei Fenstern selbst einstellen?

Moderne Fenster verfügen über spezielle Beschläge, die eine Einstellung ermöglichen. Die Einstellung des Anpressdrucks kann in der Regel selbst vorgenommen werden. Es ist jedoch besser, die Fenster von einer Fachkraft einstellen zu lassen, um Schäden am Fenster zu vermeiden. Ein falsch eingestellter Anpressdruck kann dazu führen, dass die Dichtung beschädigt wird.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Umstellung

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    Fenster aufklappen 

    • Fenster öffnen und den kleinen, hervorstehenden Metallzapfen (Roll- oder Pilzzapfen) am Fensterrahmen lokalisieren. Sie sorgen dafür, dass der Fensterflügel fest im Rahmen sitzt.
    • Die Rollzapfen sehen aus wie eine Rolle und waren lange Zeit Standard bei Beschlägen.
    • Pilzzapfen hingegen stehen hervor wie „Pilze“ und erschweren das Auf- und Aushebeln von Fenstern. Je nach Hersteller und Sicherheit können sich bis zu 10 Pilzzapfen am Fensterrahmen befinden.

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    Passendes Werkzeug bereithalten

    Je nach Modell und Hersteller wird ein Torx-Schraubenzieher, ein Schlitz-Schraubenzieher, ein Inbusschlüssel oder ein Maulschlüssel benötigt.

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    Anpressdruck erhöhen

    Mit dem Werkzeug den Schließkopf (Pilz) in Richtung Rahmen drehen. Nicht mehr als eine Umdrehung!

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    Anpressdruck verringern

    Mit dem Werkzeug den Schließkopf (Pilz) vom Rahmen wegdrehen. Nicht mehr als eine Umdrehung!

Ohne Werkzeug einstellen

Wenn ein Fenster vorhanden ist, für das kein Werkzeug benötigt wird, handelt es sich um einen Rollzapfen mit einer kleinen Vertiefung (Nut). Die Lage der Nut gibt Aufschluss über die Einstellung des Fensters:

  • Nut zeigt senkrecht zur Dichtung: maximaler Anpressdruck
  • Nut zeigt 45 Grad zur Dichtung: hoher Anpressdruck
  • Nut zeigt parallel zum Fensterrahmen: mittlerer Anpressdruck
  • Nut zeigt 45 Grad von der Dichtung weg: geringer Anpressdruck
  • Nut zeigt senkrecht von der Dichtung weg: geringster Anpressdruck

Um die Position zu verändern, muss der Zapfen herausgedreht und in der gewünschten Position wieder hineingeschraubt werden.

Gleichmäßiges Einstellen

Alle Schließzapfen entlang des Fensters müssen gleichmäßig eingestellt werden. Jeder Zapfen sollte einzeln und nacheinander verstellt werden. Zwischendurch immer wieder kontrollieren, ob das Fenster richtig schließt. Werden alle Zapfen gleichzeitig verstellt, kann es sein, dass das Fenster nicht mehr richtig schließt und es zu einem falschen Anpressdruck kommt.

Nach der Einstellung

Nach der Einstellung sollte überprüft werden, ob das Fenster gut schließt und abdichtet. Das Fenster sollte sich leicht öffnen und schließen lassen und die Geräusche von Außen sollten weniger laut zu hören sein. Ein zu hoher Anpressdruck kann die Dichtung beschädigen.

Sommer- und Wintermodus bei Fenstern: Wo liegen die Unterschiede?

  1. Sommermodus

    Reduziert den Anpressdruck um die Luftzirkulation zu erleichtern. Kondensation wird dadurch vermieden.

  2. Wintermodus

    Der Anpressdruck wird erhöht, um Zugerscheinungen und Energieverluste zu minimieren. Die richtige Einstellung spart Energie und sorgt für ein angenehmes Raumklima.

Tipps, wie man keine Energie über das Fenster verliert

Person, die mit einem Schraubenzieher einen Fenstergriff einstellt, beleuchtet vom sanften Abendlicht.

Fenster sind ein zentraler Punkt, wenn es um Energieeffizienz geht. Mit den richtigen Maßnahmen können Energieverluste verringert werden.

Richtig lüften

Regelmäßiges Stoßlüften sorgt für frische Luft und beugt Schimmelbildung vor. Die Energieeffizienz bleibt erhalten. Durch regelmäßiges Stoß- und Querlüften lassen sich im Winter Heizkosten sparen.

Fenster abdichten

Fensterdichtungen halten je nach Pflege ca. 5 bis 15 Jahre. Spröde oder undichte Dichtungen müssen ausgetauscht werden. Bevor es soweit ist, sollte überprüft werden, ob das Fenster korrekt eingestellt ist:

  1. Luftzug

    Dazu ein Feuerzeug unten an den Fensterrahmen halten und prüfen, ob sich die Flamme bewegt und somit ein Luftzug vorhanden ist. Wenn kein Luftzug vorhanden ist, gibt es keinen Handlungsbedarf.

  2. Der Papiertrick

    Eine einfache Methode, um zu überprüfen, ob das Fenster dicht ist, ist der Papiertrick. Einfach ein Blatt Papier zwischen Fensterrahmen und Fensterflügel klemmen und anschließend das Fenster schließen. Lässt sich das Papier leicht herausziehen, handelt es sich um ein undichtes Fenster.

  3. Lärmtest

    Wenn Straßenlärm durch das Fenster zu hören ist, ist die Dichtung unzureichend.

Aber Vorsicht: Es gibt auch zu dichte Fenster. Wenn der Anpressdruck zu hoch ist, kann die Raumluft nicht zirkulieren. Dadurch entsteht zu viel Kondenswasser im Raum, das die Fenster beschlagen lässt. Das begünstigt die Schimmelbildung.

Gibt es Unterschiede bei Kunststoff-, Holz- oder Alu-Fenstern?

Ja, es gibt Unterschiede bei der Fensterabdichtung je nach Rahmenmaterial. Die Dichtigkeit hängt stark von den Eigenschaften des Materials ab:

Kunststofffenster

  • Vorteile: Kunststofffenster sind pflegeleicht und oft mit modernen Dichtungssystemen ausgestattet, die eine gute Abdichtung gegen Zugluft und Feuchtigkeit bieten.
  • Nachteile: Kunststoffrahmen können sich mit der Zeit leicht verziehen, vor allem bei starken Temperaturschwankungen. Dies kann die Dichtigkeit beeinträchtigen und erfordert eine regelmäßige Kontrolle.

Holzfenster

  • Vorteile: Holzrahmen sind von Natur aus gut isolierend und energieeffizient. Durch den Einsatz elastischer Dichtungen bleiben Holzfenster in der Regel gut abgedichtet.
  • Nachteile: Holz reagiert empfindlicher auf Temperaturschwankungen, was zur Bildung von Fugen und Rissen führen kann. Eine regelmäßige Wartung (z.B. Streichen oder Nachjustieren) ist wichtig, um die Dichtigkeit zu erhalten.

Aluminiumfenster

  • Vorteile: Aluminium ist äußerst robust und langlebig. Hochwertige Aluminiumfenster haben oft thermisch getrennte Rahmen, die eine gute Abdichtung gewährleisten.
  • Nachteile: Ohne thermische Trennung kann es zu Kondensationsproblemen und Wärmeverlusten kommen. Die Dichtigkeit hängt stark von der Qualität der Dichtungen ab.

Wartung und Pflege von Fenstern – Tipps vom Energieexperten

Mit der Hand wird ein Fensterrahmen berührt. Sonnenlicht scheint durch das Glas herein, draußen sieht man die Bäume.

Korrekt eingestellte Fenster und regelmäßige Wartung erhöhen die Lebensdauer und den Wirkungsgrad von Fenstern. Unser Energieexperte empfiehlt folgende Maßnahmen:

Beschläge überprüfen

Etwa alle drei bis fünf Jahre sollte die Einstellung der Beschläge überprüft werden. Wenn unklar ist, wann die Beschläge das letzte Mal überprüft wurden, helfen folgende Tricks:

  • Papiertest: Papier im Fenster einklemmen, lässt es sich bei geschlossenem Fenster nicht herausziehen, ist das Fenster „dicht“.
  • Zuglufttest: Bei geschlossenem Fenster einmal mit dem Finger über den Fensterrahmen streichen. Ist ein Luftzug zu spüren, sollte das Fenster eingestellt werden.

Dichtungen prüfen

Die Dichtungen können hauchdünn mit Vaseline eingerieben werden. Das verhindert, dass das Fenster an der Dichtung festfriert. Die Dichtungen werden dadurch haltbarer und leichtgängiger. Wenn die Dichtungen beschädigt sind, sollten sie ausgetauscht werden. Wenn eine Fensterdichtung ausgetauscht werden muss, sind die Eigentümer*innen dafür verantwortlich.

Fazit

Heute gibt es keinen Wintermodus von Fenstern im herkömmlichen Sinne mehr. Bei neueren Fenstern ist es nicht notwendig, diese einzustellen. Sie sollten aber einmal im Jahr kontrolliert und gepflegt werden.

Wintermodus bei Fenstern » Was bringt er wirklich?