Was ist Fernwärme?
In Wien werden 470.00 Haushalte mit Fernwärme beheizt. Aber was genau ist eigentlich Fernwärme und wie kommt sie in die Wohnzimmer der Wiener*innen?
Fernwärme: Das Wichtigste auf einen Blick
- Definition: Fernwärme ist eine Form der zentralen Wärmeversorgung, bei der Heizwärme und Warmwasser über Rohrleitungen direkt zu Haushalten und Betrieben transportiert werden.
- Funktionsweise: Die Wärme entsteht zum Beispiel durch Müllverbrennung, industrielle Abwärme oder Kraft-Wärme-Kopplung und wird über ein weit verzweigtes Netz in die Gebäude geleitet.
- Vorteil: Umweltfreundlich, platzsparend, bequem – keine eigene Heizungsanlage notwendig.
- Ziel: Bis 2040 soll die Fernwärme in Wien vollständig aus erneuerbaren Energiequellen stammen.
Insgesamt 470.000 Haushalte und 8.000 Großkund*innen werden von uns mit Fernwärme versorgt. Aber was ist Fernwärme überhaupt und wie kommt diese zu den Wiener*innen nach Hause? Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
Was versteht man unter Fernwärme?
Unter Fernwärme versteht man die zentrale Versorgung von Wohngebäuden oder öffentlichen Gebäuden mit Heizwärme und Warmwasser über Liegenschaftsgrenzen hinweg.
Bereits die Römer*innen haben heißes Wasser aus Thermalquellen über Rohleitungen zu Gebäuden transportiert, um diese zu beheizen und mit Warmwasser zu versorgen. Nach dem Niedergang des Römischen Reiches geriet die Fernwärme allerdings für mehrere Jahrhunderte in Vergessenheit.
Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten zunächst die Amerikaner*innen den Reiz des Transports von Wärme über ein Leitungsnetz wieder für sich. In dichtbesiedelten Städten wurden Fernwärmesysteme installiert, um die Brandgefahr durch offene Feuer und die damit verbundene Luftverschmutzung zu reduzieren.
In Wien gibt es seit 1963 Fernwärme. Die Abfallverwertungsanlage am Flötzersteig war damals die erste thermische Abfallbehandlungsanlage in ganz Österreich. Die dort entstehende Fernwärme versorgte nicht nur Wohnungen, sondern das umliegende Wilhelminenspital, das Geriatriezentrum Baumgartner Höhe sowie das Ottakringer Bad.
Welche Vorteile bietet Fernwärme?
Fernwärme hat viele Vorteile, sowohl für die Umwelt als auch für die Nutzer*innen:
- Klimafreundlich: Die Wärme stammt überwiegend aus erneuerbaren oder wiederverwerteten Energiequellen.
- Platzsparend: Kein eigener Heizkessel oder Brennstofflager nötig. Damit entfallen auch Wartungskosten etwa für Rauchfang oder Thermenservice.
- Zuverlässig: Versorgung über ein sicheres, gut gewartetes Netz.
- Komfortabel: Heizung und Warmwasser kommen direkt ins Haus – ganz ohne Aufwand.
- Regional: Die Energie wird in Wien erzeugt und genutzt.
Wie funktioniert Fernwärme?
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Die erzeugte Wärme wird in den Heizkraftwerken aufbereitet und über ein unterirdisches Leitungssystem in die Gebäude in der Stadt transportiert. Diese befinden sich meist in einem Umkreis von circa 20 Kilometern Entfernung vom Kraftwerk, da der Transport der Fernwärme ab einer gewissen Rohrleitungslänge ineffizient wird.
In den Gebäuden wird die Wärme über eine Übergabestation an das hausinterne Heizsystem weitergeleitet. So gelangt sie vom Kraftwerk direkt in die Heizkörper oder Warmwasseranlagen der Wiener Haushalte.
Wenn die Wärme aus Abwärmequellen stammt, etwa aus Industrieanlagen, Rechenzentren oder Kläranlagen, kommt noch ein zusätzlicher Schritt hinzu.
Bevor die Wärme in das Fernwärmenetz eingespeist werden kann, wird sie über Wärmetauscher oder Wärmepumpen aufbereitet.
Diese Anlagen heben die Temperatur der vorhandenen Abwärme auf das erforderliche Niveau, damit sie in das Netz eingespeist werden kann. So kann auch Abwärme, die sonst ungenutzt verpuffen würde, effizient zum Heizen verwendet werden.
Das Fernwärmenetz in Wien ist über 1.300 Kilometer lang und wird ständig überwacht. Der Transport erfolgt mit hohem Druck und hohen Temperaturen, um die Wärme effizient zu verteilen.
Woraus wird Fernwärme erzeugt?
Der Großteil der Fernwärme in Wien stammt aus der Müllverbrennung, Abwärmenutzung und hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Aber auch erneuerbare Energiequellen wir Biomasse und mit Ökostrom betriebene Großwärmepumpen kommen zum Einsatz - und bald auch Geothermie. Zur Spitzenabdeckung kommen außerdem Heizkraftwerke zum Einsatz. Diese Anlagen werden vorrangig mit Erdgas betrieben.
Fernwärme aus Müllverbrennung
Alle vier Standorte produzieren zusammen rund 1,5 Mio. Megawattstunden Fernwärme pro Jahr. Diese Fernwärme, das heiße Wasser, wird über das Verbundnetz der Wiener Netze mit hohem Druck und hohen Temperaturen in Wien verteilt. Mehr als 40 Prozent der Wiener Haushalte werden schon heute mit umweltfreundlicher Fernwärme versorgt.
Abwärmenutzung und Kreislaufwirtschaft für die Fernwärme

Kreislaufwirtschaft funktioniert nicht nur beim Recyclen von Produkten, sondern auch bei Energie. Bei gewerblichen und industriellen Prozessen entsteht oft Abwärme, die als Energiequelle für Heizungen oder die Erzeugung von Warmwasser genutzt werden kann. Beispielsweise beim Betrieb von Rechenzentren oder im Kühlkreis. Die Nutzung dieser Wärme ist klimafreundlich und ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Wärmewende. Einige Beispiele in Wien:
- Kläranlage Simmering: Am Gelände der ebswien Kläranlage in Simmering entsteht derzeit eine der größten Großwärmepumpen Europas. Sie deckt bereits den Wärmebedarf von 56.000 Wiener Haushalten, im Vollausbau sollen es 112.000 sein.
- Therme Wien in Oberlaa: Nutzung der Wärme des Thermalwassers für die Wärmeversorgung von 1.900 Haushalten.
- UNO-City: Abwärme, die bei der Gebäudekühlung entsteht, wird in das Fernwärmenetz eingespeist.
- Manner-Fabrik: Seit 2016 fließt Wärme aus dem Backprozess ins lokale Fernwärmenetz. Davon profitieren rund 600 Haushalte und Betriebe in der Umgebung.
Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen
Bei der Stromerzeugung in kalorischen Kraftwerken entsteht viel Wärme, die oft ungenutzt bleibt. In Wien wird diese Abwärme aber nicht verschwendet! Durch sogenannte Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) wird sie weiterverwendet.
Das Prinzip ist einfach. Aus einem Brennstoff, meist Erdgas, wird gleichzeitig Strom und Wärme gewonnen. Die Wärme, die bei der Stromerzeugung entsteht, wird aufgefangen und in das Fernwärmenetz eingespeist. So kann ein Teil der eingesetzten Energie doppelt genutzt werden.
Kraft-Wärme-Kopplung ist besonders energieeffizient und schadstoffarm.
Weil der Brennstoff doppelt genutzt wird, entstehen auch weniger Emissionen.
Darum gilt diese Form der Energiegewinnung als wichtiger Schritt zu einer umweltfreundlichen Wärmeversorgung.
Wie nachhaltig ist Fernwärme?
Fernwärme ist ein wichtiger Baustein der Energiewende in Wien. Rund 1,5 Millionen Tonnen CO₂ werden jährlich eingespart, da große Teile der Wärme aus wiederverwerteten oder erneuerbaren Quellen stammen.
Je mehr Abwärme und erneuerbare Energiequellen genutzt werden, desto umweltfreundlicher wird die Fernwärme. Ziel ist, bis 2040 die Wärmeversorgung vollständig CO₂-frei zu gestalten.
Kosten für Fernwärme

Die Kosten für die Fernwärme werden nach einem verbrauchsabhängigen Abrechnungssystem berechnet. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Erklärung, wie die Abrechnung funktioniert:
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Messung des Gesamtverbrauchs:
Jedes Gebäude hat einen Großwärmezähler, der die Gesamtmenge an gelieferter Wärme für das gesamte Gebäude misst. Diese Gesamtmenge dient als Grundlage für die Abrechnung und wird auch in der Abrechnungsübersicht angegeben.
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Verbrauchsanteile pro Nutzungsobjekt:
Innerhalb des Gebäudes werden in den einzelnen Nutzungsobjekten (Wohnungen, Büros, Geschäfte) Verbrauchsanteile bzw. Teilstriche gemessen. Die Messung erfolgt oft durch separate Wärmezähler oder Heizkostenverteiler, die den individuellen Verbrauch pro Einheit ermitteln.
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Berechnung des Verbrauchs pro Teilstrich:
Um den Verbrauch jedes Objekts bzw. jeder Wohnung zu ermitteln, wird die gesamt gelieferte Wärmemenge durch die Summe der Verbrauchsanteile (Teilstriche) in allen Nutzungsobjekten geteilt. Dadurch erhält man die Wärmemenge, die auf einen Teilstrich entfällt.
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Preis pro Teilstrich:
Der Preis pro Megawattstunde (MWh) wird mit der Wärmemenge pro Anteil (Teilstrich) multipliziert, um den Preis pro Teilstrich zu berechnen.
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Verbrauchsabhängige Abrechnung:
Der Preis pro Teilstrich wird dann mit den gemessenen Verbrauchsanteilen für jedes Nutzungsobjekt multipliziert. Dadurch erhält man den verbrauchsabhängigen Betrag für die Heizung eines jeden Objekts.
Zu den verbrauchsabhängigen Kosten kommen dann noch der Grundpreis für Raumheizung, die Warmwasserkosten, die Umsatzsteuer sowie Kosten für Kaltwasser und die Kanalgebühren hinzu. Wir haben in einem Blogbeitrag alles Infos zur Fernwärmeabrechnung für dich gesammelt.
Wie sieht die Zukunft von Fernwärme aus?
Mit über 1.300 Kilometern Länge ist das Wiener Fernwärmenetz eines der größten Europas. Wien Energie versorgt 470.000 Wiener Haushalte und 8.000 Großkund*innen mit Fernwärme und spart jährlich über 1,5 Millionen Tonnen CO2. Gut die Hälfte der Wiener Fernwärme stammt aktuell aus den Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, die andere Hälfte aus industrieller Abwärme, Müllverbrennung, Biomasse, Erd- und Umgebungswärme sowie zu einem kleinen Teil aus Heizkraftwerken. Bis 2040 wollen wir die Fernwärme komplett mit Energie aus erneuerbaren Quellen betreiben. Damit die Fernwärme komplett CO2-frei wird, gibt es zwei strategische Stoßrichtungen: Die Nutzung von vorhandener Abwärme und Geothermie. In Zukunft wird auch vermehrt auf Großwärmepumpen gesetzt.


