Fernwärme Kühlung: So funktioniert Fernkälte
Wir bieten seit 2007 Fernkälte als „grüne Kälte“ an. Das Konzept ist ein ähnliches wie jenes bei der Fernwärme. Diese smarte Technologie spart im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen rund 50 Prozent CO₂ ein.
Fernkälte: Das Wichtigste auf einen Blick
- Fernkälte ist eine umweltfreundliche Kühlmethode, bei der kaltes Wasser über ein Leitungsnetz zu den Gebäuden transportiert wird.
- Die Kälte wird in zentralen Anlagen mit hocheffizienten Kältemaschinen erzeugt.
- Dabei kommen Absorptionskältemaschinen (mit thermischer Energie) und Kompressionskältemaschinen (elektrisch betrieben) zum Einsatz.
- Fernkälte spart im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen bis zu 70 % Energie und rund 50 % CO₂-Emissionen ein.
- Die Technologie nutzt Abwärme aus Müllverbrennung, Kraft-Wärme-Kopplung und anderen Quellen.
In zwanzig Jahren wird Europa laut Expert*innen in etwa so viel Kühlenergie wie Heizenergie brauchen. Andererseits sollen die Klimaziele erreicht werden. Wie soll sich das ausgehen?
Um Wien klimafreundlich zu beheizen, setzen wir auf den Ausbau der Fernwärme. Dabei wird Wärme in Form von heißem Wasser über ein insgesamt 1.300 Kilometer langes Rohrleitungsnetz an die Verbraucher*innen geliefert.
Wir arbeiten hart daran, die Fernwärme zu dekarbonisieren und raus aus Gas zu kommen. Bereits jetzt stammt der Großteil unserer Fernwärme aus der Müllverbrennung, Abwärmenutzung und hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Bis 2040 wollen wir die Fernwärme vollständig klimaneutral machen.
Aber wie sieht es mit der Kühlung aus? Auch hierfür haben wir eine klimaschonende Lösung: Fernkälte.
Was ist Fernkälte?

Fernkälte ist eine umweltfreundliche Art der Kühlung. Dabei wird die Kälte in Form von kaltem Wasser über ein Leitungsnetz zu den Abnehmer*innen transportiert, um dort Räume zu kühlen. Das Wasser nimmt vor Ort die Wärme aus dem Gebäude auf und transportiert diese ab.
Fernkälte wird in eigenen Zentralen mit hocheffizienten Kältemaschinen erzeugt. Dafür setzt Wien Energie zwei verschiedene Arten von Kältemaschinen ein: Absorptionskältemaschinen und Kompressionskältemaschinen. Absorptionskältemaschinen werden mit thermischer Energie, etwa Abwärme aus der Müllverbrennung, angetrieben. Kompressionskältemaschinen werden elektrisch betrieben und funktionieren ähnlich wie ein Kühlschrank.
Gegenüber herkömmlichen Klimaanlagen ist für die Kühlung mit Fernkälte vier bis zehn Mal weniger Primärenergie nötig. Im Betrieb erzeugt die Fernkälte über 50 Prozent weniger CO2-Emissionen als gewöhnliche Klimaanlagen.
Wie funktioniert Fernkälte konkret?
Ein bisschen kann man sich die Fernkälte wie die Fernwärme vorstellen - nur eben umgekehrt. Wie bei der Fernwärme werden die Objekte zentral versorgt (oder auch dezentral, dann wird eine Kältezentrale bei den Verbraucher*innen errichtet). Isolierte Rohre transportieren das auf 6 Grad Celsius gekühlte Wasser zu den Kund*innen, mit etwa 16 Grad Celsius fließt es zur neuerlichen Abkühlung wieder zurück.
Es gibt zwei Hauptarten von Kältemaschinen, mit denen Fernkälte erzeugt werden kann: Absorptionskältemaschinen und Kompressionskältemaschinen.
Kühlen mit Fernwärme durch Absorptionskältemaschinen

Absorptionskältemaschinen werden mit thermischer Energie betrieben, zum Beispiel durch Abwärme aus der Müllverbrennung, Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen oder Industrieprozessen. Diese Maschinen nutzen Wärme, um ein Kältemittel zu verdampfen und dadurch Kälte zu erzeugen. So wird vorhandene Abwärme effizient genutzt, um das Wasser auf etwa 5 bis 6 Grad Celsius abzukühlen.
Kühlen mit Kompressionskältemaschinen
Kompressionskältemaschinen funktionieren ähnlich wie herkömmliche Kühlschränke und werden elektrisch betrieben. Dabei wird das Kältemittel mechanisch komprimiert und expandiert, was eine Abkühlung des Wassers ermöglicht. Diese Technik kommt insbesondere dort zum Einsatz, wo thermische Energie nicht ausreichend verfügbar ist oder elektrische Energie effizient genutzt werden soll.
Welche Energiequellen werden genutzt?
Die Absorptionskältemaschinen nutzen Abwärme aus Industrie, Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen oder Abfallverbrennung, die das ganze Jahr zur Verfügung steht. Also dieselben Energiequellen, die für die Erzeugung von Fernwärme benutzt werden. Kompressionskältemaschinen werden mit elektrischer Energie betrieben.
Welche Vorteile bietet Fernkälte?
Gegenüber herkömmlichen Klimaanlagen ist vier bis zehnmal weniger Primärenergie nötig und sie erzeugen auch viel weniger CO₂-Emissionen im Betrieb. Weitere Vorteile der Fernkälte: Im Vergleich zu Klimaanlagen sind Fernkältemaschinen platzsparend, leise und optisch unauffällig. Der Kühlprozess findet dank der zentralen Produktionsanlage von Wien Energie nicht bei jedem Gebäude einzeln statt, damit bleibt auch die Umgebung der Nutzer*innen kühl und erwärmt sich nicht.
Ist Fernkälte klimafreundlich?
Ja, Fernkälte reduziert die CO₂-Emissionen im Betrieb um über 50 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen. Durch Nutzung von Abwärme und Ökostrom trägt sie aktiv zur Dekarbonisierung der Gebäudekühlung bei.
Smarte Kühlung für Wien

Gegenüber herkömmlichen Klimaanlagen ist vier- bis zehnmal weniger Primärenergie nötig, das macht Fernkälte zu einer smarten Kühllösung. Klassische Klimaanlagen verwenden die Außenluft zur Kühlung von Räumen, das kostet viel Strom und somit viel Energie. Außerdem benötigen sie viel mehr Platz – Rückkühler müssen auf Dächern errichtet werden, das entspricht oft nicht dem Denkmalschutz und nimmt Platz für Grünpflanzen und Photovoltaikanlagen.
"Bei Fernkälte wird einerseits auf hocheffiziente Großmaschinentechnik gesetzt. Andererseits können aufgrund der Anlagengröße energetisch wesentlich bessere Rückkühlmethoden, verwendet werden. Der Vorteil ist, dass Wasser Wärme generell gut aufnehmen kann. Durch diese effiziente Form der Kühlung spart man mit dem Einsatz von Fernkälte rund 70 Prozent des Energieaufwands und rund 50 Prozent der CO₂-Emissionen. Zusätzlich wird auch der Einsatz von treibhauswirksamen Kältemitteln deutlich reduziert," sagt Burkhard Hölzl, Fernkälte-Experte bei Wien Energie.
Gekühlte Möbel vor der Spittelau

Neue Möbel am Vorplatz der Müllverbrennungsanlage Spittelau machen Fernkälte für die Wiener*innen direkt erlebbar. Die sogenannte „Kühlruhe“ wurde von Bergnerdesign entwickelt und werden über die Rücklaufleitungen der Fernkältezentrale Spittelau mit angenehm niedrigen Temperaturen versorgt.
Die Kühlung der Möbel benötigt keine zusätzliche Kühlleistung, sondern nutzt das auf circa 15-20 Grad Celsius erwärmte zurücklaufende Wasser der Fernkälte-Kund*innen. Die Möbel bestehen aus Beton, der sich besonders gut zur Speicherung und langsamen Abgabe von Kälte eignet.
Wo kommt Fernkälte zum Einsatz?
Der Großteil der Fernkältekunden ist aus dem öffentlichen Bereich bzw. auch aus dem Gesundheits- und Gewerbesektor wie Bahnhöfe, Universitäten, Museen, Spitäler, Hotels und Bürogebäude. Mittlerweile werden von Wien Energie aber auch andere Gebäude – und teilweise auch Privatwohnungen – nachhaltig mit Fernkälte gekühlt. Der Zuwachs an unseren Fernkältekund*innen steigt jedes Jahr um 10 bis zu 15 Prozent.
Fernkältering
Der Fernkältering unter der Ringstraße wurde 2024 fertiggestellt - ein Jahr früher als geplant! Mit einem 4,7 Kilometer langen Leitungsnetz wurden die Fernkältezentralen am Schottenring und Stubenring verbunden. Das spart Energie, sorgt für eine sichere Versorgung und legt den Grundstein für eine umfassende klimafreundliche Kühlung der Innenstadt.
Zu den bereits mit Fernkälte versorgten Gebäuden am Ring zählen unter anderem die Universität Wien, das Rathaus, das Parlament, die Wiener Staatsoper, das Museum für angewandte Kunst (MAK) sowie zahlreiche Hotels.
Doppelte Nutzung: Wärme aus Kälte
Im Sommer erzeugen wir Fernkälte unter anderem mit der Abwärme aus der Müllverbrennung. Im Winter machen wir das Umgekehrte: Aus der Produktion von Fernkälte entsteht Fernwärme. Dazu nutzen wir die Abwärme, die bei der Kälteerzeugung entsteht.
Obwohl Fernkälte ihre Bedarfsspitzen im Sommer hat, wird Kühlung ganzjährig gebraucht. Zu den Abnehmern zählen etwa Rechenzentren oder Großküchen, die auch im Winter Kühlbedarf haben.
In der Fernkältezentrale Hauptbahnhof nutzen zwei Wärmepumpen die Abwärme aus der auch im Winter notwendigen Kälteproduktion. Aus dieser Abwärme können wir rund 65 Grad Celsius gewinnen und in das Fernwärmenetz einspeisen. Die beiden Wärmepumpen haben eine Leistung von 2400 Kilowatt und können bis zu 800 Haushalte mit umweltfreundlicher Fernwärme versorgen.
Die in die Kühlung investierte Energie wird also gleich doppelt genutzt! Außerdem leisten wir dadurch einen weiteren Beitrag zur Dekarbonisierung der Fernwärme, denn die Fernkälte-Anlagen wird mit Ökostrom betrieben.



