Ottakringer Bach-Verlauf: Die Stadt unter der Stadt

Unterirdische Brunnen, ein versteckter, aber weltberühmter Bach und Wärme vom Waffelofen… Wir gehen auf Entdeckungsreise in den Untergrund Ottakrings
Aktualisiert am: 20.04.2021

Mit der Ottakringer Waffelwärme für Wien

Nicht nur in Ottakring, auch unter den Straßen ist ordentlich viel los. In diesem Bezirk speist Manner seit 2016 Abwärme aus dem Backprozess in das lokale Fernwärmenetz ein und versorgt das umliegende Grätzl mit Wärme und Warmwasser. 600 Haushalte und Betriebe profitieren in unmittelbarer Nachbarschaft der Waffelproduktion in Hernals und Ottakring von der Wärmeproduktion.

Pro Jahr können somit 1.000 T CO2 eingespart werden. Manner wandelt darüber hinaus die überschüssige Abwärme des Herstellungsprozesses in Kälte um und verwendet diese für Kühlzwecke. Auch das flüssige Wiener Wahrzeichen der Ottakringer Brauerei hat einen großen Bezug zur Nachhaltigkeit, wie mit der riesigen Photovoltaik-Anlage am modernsten Getränkehandelshaus Europas gezeigt wird.

Nicht nur Bier fließt in Ottakring

Bei der Ottakringer Brauerei etwa gibt es einen unterirdischen Brunnen und mehrere Keller. Und gleich daneben in vier Metern Tiefe schlängelt sich in dicken Rohren ein Gebirgsfluss durch Wien: der Ottakringer Bach. Seinen Ursprung hat der zweitlängste Bach der Stadt am Ende des Liebhartstals im Ottakringer Gemeindewald.

Früher floss er quer durch Ottakring, über die heutige Thaliastraße in die Lerchenfelderstraße, über die Neustiftgasse zum St. Ulrichsplatz in Lerchenfeld und weiter über den Minoritenplatz, den Tiefen Graben und mündete am Concordiaplatz in der Innenstadt in den Donaukanal. Er spendete Wasser für Mühlen und für die Gärten im damaligen Vorort St. Ulrich. An seinen Ufern konnte man sogar Flusskrebse fangen.

Allerdings war der Ottakringer Bach auch eine Gefahr: Mehrmals trat er über die Ufer und richtete große Schäden an. Auf die Überschwemmungen folgten oft schwere Krankheitswellen wie eine Cholera-Epidemie. Deswegen begann die Stadt in den 1830er Jahren im Zuge einer großen Kanalisierung, den Ottakringer Bach überbauen.

Wo ist der Ottakringer Bach heute?

Der ursprüngliche Flussverlauf ist heute im Straßenbild der Ottakringer Straße noch sichtbar. Der Ottakringer Bach entspringt im Wienerwald und verläuft unter der Ottakringer Straße. Er mündet nach neun Kilometer in der Innenstadt in den Donaukanal.

Lebensader und Gefahr zugleich

Die Doppelkurve beim Heurigenlokal 10er-Marie zeigt noch den ursprünglichen Verlauf des Bachs. Und sogar Filmgeschichte schrieb der Fluss: Regisseur Carol Reed drehte 1949 die Schlussszene von "Der Dritte Mann" bei der heutigen Einmündung des Ottakringer Bachs in den linken Wienfluss-Sammelkanal. Der Penicillinschieber Harry Lime, gespielt von Orson Welles, wird im Kanal des Ottakringer Bachs nach wilder Verfolgungsjagd erschossen.


Wir haben uns in der Reihe die Stadt unter der Stadt auch den Stephansdom und den Donaukanal näher angesehen.

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