Die Stadt unter der Stadt: Was passiert unterm Donaukanal?
Wir glauben oft, wir stehen auf festem Grund. Doch das stimmt nicht. Selbst an den historischsten Ecken der Stadt gibt es unter unseren Füßen sehr viel zu entdecken. U-Bahnen, Kanäle, Stromleitungen, Keller. In einer neuen Serie blicken wir in den Wiener Untergrund: Diesmal der Donaukanal.
Unter uns: Wien Energie blickt in einer neuen Serie in den nächsten Wochen in den Wiener Untergrund. Diesmal zum Auftakt: der Donaukanal.
Unter der Erde ist in Wien sehr viel los. Damit sind längst nicht nur die U-Bahnen der Wiener Linien gemeint, die die Stadt kreuzen und die Außenbezirke mit der Innenstadt verbinden (und umgekehrt). Unter der Erde fließen Wasser, Kanal, Strom in unterschiedlichen Stärken, Gas und Fernwärme. Dazu kommen noch private Keller und historische Katakomben. Und weil Wien eine sehr alte Stadt ist, liegen im Erdreich noch viele Erinnerungen an die Vergangenheit. Aber so überraschend ist es gar nicht, was sich unter uns alles tut. Denn eine Millionenmetropole wie Wien kann in weiten Teilen nur so versorgt werden. Weil hier die wichtige Infrastruktur am besten geschützt ist. Das ist gut so. Und gibt einem das Gefühl von Sicherheit.
Unter der Urania

Eigentlich ist die Urania ja eine Sternwarte, viel spannender ist aber, was sich rundherum im Boden abspielt. Unter dem Donaukanal, auf 17 Meter unter dem Wasserspiegel, kreuzt die U1 Richtung Schwedenplatz. Das Wasser des Donaukanals selbst ist Lebensraum von rund 40 Fischarten.
Darunter die bekannten Donau-Fische Nase, Barbe und Hasel. Sie nutzen den Donaukanal vor allem als Korridor zur Donau. Am Wassergrund leben Krebstiere, Würmer, Schnecken, Muscheln und viele Insekten. Über den Donaukanal queren mehrere Brücken wie etwa die Aspernbrücke, durch die Starkstromleitungen führen.
Alte Post

Die Alte Post, ein Gebäudekomplex zwischen Dominikanerbastei und Postgasse, diente lange Zeit als Zentrale der Österreichischen Post. 2011 wurde das Gebäude aber verkauft und beinhaltet nun Wohnungen und Geschäfte.
Im Zuge der Sanierung wurde eine Fernkältezentrale von Wien Energie installiert. In einem eigenen Untergeschoss der Alten Post befinden sich mehrere Kältemaschinen die seit 2022 hocheffiziente und umweltfreundliche Kühlung über unterirdische Leitungen zu Kund*innen liefern.
Direkt am Treppelweg des Donaukanals wurde dafür ein Einlaufwerk errichtet, das Donaukanalwasser für die Rückkühlung entnimmt und zur Fernkältezentrale unter die alte Post leitet.
Ein paar Stücke Geschichte im Donaukanal-Boden
Bei den Bauarbeiten sind viele archäologische Funde ans Tageslicht gekommen. Zum Beispiel Reste einer Mauer, die Teil der historischen Biberbastei war und deren Ziegel mehr als 500 Jahre alt sind. Generell ist der Boden am Gelände der Alten Post voll mit archäologischen Fundstücken.
Sie reichen von der Urgeschichte, über die Antike und das Mittelalter. Das älteste Stück - eine Schüssel - stammt aus der mittleren Bronzezeit und ist 3.500 Jahre alt.


