Schwindender Rückenwind für Erneuerbaren-Ausbau

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Bevölkerung zeigt sich weniger Akzeptanz für erneuerbare Energieprojekte.
  • Vor allem durch die Teuerung stellen sich viele gegen den Ausstieg aus fossilen Energieträgern.
  • Mehrheit spricht sich gegen ein zeitnahes Verbot von Gas- und Ölheizungen aus.

Der jährliche Stimmungsbarometer zur Energiewende

Wie stehen die Österreicher*innen zu erneuerbaren Energien? Diese Frage wird durch die jährlich durchgeführte repräsentative Studie „Erneuerbare Energien in Österreich“ von der WU Wien, Deloitte Österreich und Wien Energie untersucht. Die durchgeführte Befragung von über 1.000 Österreicher*innen zeigt auf, dass nach dem Hoch 2023 nun ersten Ermüdungserscheinungen in der Bevölkerung auftreten. Auch wenn der Klimawandel als zentrale Gefahr gesehen wird, wird die Haltung gegenüber Erneuerbaren-Projekte kritisch, vor allem wenn diese in der Nähe des eigenen Wohnortes umgesetzt werden sollen.

Geringere Akzeptanz für Erneuerbaren-Projekte

Ziel der Studie ist es, jährlich ein Stimmungsbarometer zu Projekten von erneuerbarer Energie in der österreichischen Bevölkerung aufzuzeigen. Nachdem letztes Jahr ein Allzeit-Hoch in den Zustimmungswerten erreicht wurde, sind die Ergebnisse dieses Jahr weniger positiv. Von Windkraft über Wasserkraft bis Photovoltaik, die Zustimmung ging im Schnitt um rund 5% hinunter. Auch wenn dies auf den ersten Blick besorgniserregend wirkt, so muss dennoch festgehalten, dass die durchschnittliche Akzeptanz zu erneuerbaren Energieprojekten bei 74% liegt.

Bei der Frage, ob Kraftwerke für erneuerbare Energieträger weiter ausgebaut werden sollten, ergab sich ein differenziertes Bild je nach Erzeugungstechnologie. So liegt beispielsweise die Zustimmung bei Photovoltaik auf Dach- beziehungsweise Fassadenflächen bei 72%, hingegen sehen nur 52% den fortschreitenden Ausbau der Windkraftanlagen für sinnvoll. Dies gilt vor allem, wenn die Anlage in unmittelbarer Nähe des eigenen Wohnorts errichtet werden soll.

Wir sehen, dass die Zustimmungswerte für Windkraftprojekte im eigenen Umfeld auf unter zwei Drittel gesunken sind. Und auch die eigentlich sehr beliebte Photovoltaik erreicht mit 83 % den niedrigste Akzeptanzwert seit Beginn der Studienreihe – das ist ein besorgniserregendes Ergebnis.
Nina Hampl, Studienautorin der WU Wien

Markt für E-Mobilität gerät ins Stocken

Auch der Umstieg auf Alternativen im Mobilitätsbereich verläuft etwas schleppend. Die Studie zeigt, dass sich das Interesse an E-Autos verringert hat, die Gründe dafür seien die Begrenzung in der Reichweite oder die hohen Anschaffungskosten. Dies ist vor allem bei den jüngeren Befragten (unter 40 Jahren) spürbar.

Es gibt dennoch viele Gründe, die für die Anschaffung eines E-Autos sprechen. Für die Befragten sind dies vorrangig finanzielle Aspekte, dabei vor allem die geringen Betriebskosten und die zur Verfügung stehenden Förderungen. Die Gründe, die hinsichtlich der Nachhaltigkeit für die elektrische Alternative zum Diesel- und Benzinauto sprechen haben laut dem Studienergebnis an Überzeugungskraft verloren. Dazu gehören beispielsweise emissionsfreies Fahren, die Unabhängigkeit von fossilen Kraftstoffen und der Umweltschutz.

Die Umfrage zeigt klar, dass sich öffentliche Förderungen positiv auf die Kaufentscheidung auswirken. Das ist ein zentraler Hebel, um den Ausbau nachhaltiger Mobilität in Österreich voranzutreiben – und sollte unbedingt beibehalten werden.
Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich

Erneuerbaren-Fortschritt durch die Teuerungen eingebremst

Die getrübte Stimmung zeigt sich auch in einem Rückgang der Unterstützung für energie- und klimapolitische Maßnahmen: Während im Vorjahr noch 66 % der Österreicherinnen und Österreicher befürworteten, dass der Gesamtstromverbrauch bis 2030 aus 100 % erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden soll, sind es aktuell nur mehr 55 %. Und lediglich ein Drittel der Befragten spricht sich für ein generelles Verbot von Gasheizungen ab 2040 beziehungsweise Ölheizungen ab 2035 aus, wie es im EWG-Entwurf vorgesehen war. Stattdessen wurde auf Förderungen gesetzt, zu denen es auch mehr Zustimmung gibt. Betrachtet man die Realität, zeigt sich, dass sich der Anteil von fossilen Energieträgern wie Erdgas oder Heizöl im Vergleich zum Vorjahr im privaten Wohnbau kaum verändert hat.

Dennoch gibt es auch einen positiven Trend im Erneuerbaren-Ausbau. Die Installation einer Photovoltaikanlage ist weiterhin äußerst beliebt, über die Hälfte aller Anlagen wurde innerhalb der vergangenen zwei Jahre installiert. Auf die Frage, ob aufgrund der Teuerung noch keine PV-Anlage installiert wurde, antworten 43% der Befragten mit nein.

Wir sehen, dass die Themen Klimaschutz, Leistbarkeit und Versorgungssicherheit eng zusammenrücken. Der Kostenfaktor ist gerade im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld für die Bevölkerung entscheidend. Der Weg "Raus aus Gas" und damit in eine umweltfreundliche und auch preisstabilere Zukunft kann nur gelingen, wenn wir alle auf diesem Weg mit- und die Sorgen ernstnehmen.
Michael Strebl, ehemaliger Vorsitzender der Geschäftsführung von Wien Energie