Hohe Akzeptanz für Photovoltaik-Ausbau

Das Wichtigste in Kürze

  • 71% der Befragten befürworten den Ausbau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen.
  • Drei Viertel der Österreicher*innen befürworten erneuerbare Energieprojekte. Energiegemeinschaften stoßen bei zwei Drittel der Befragten auf Interesse.
  • Das Interesse der Bevölkerung an Elektromobilität stagniert, ist aber weiterhin hoch.

Der jährliche Stimmungsbarometer zur Energiewende

Wie stehen die Österreicher*innen zu erneuerbaren Energien? Das untersucht jährlich die repräsentative Studie „Erneuerbare Energien in Österreich“ von der WU Wien, Uni Klagenfurt, Deloitte Österreich und Wien Energie. Die durchgeführte Befragung von über 1.000 Österreicher*innen zeigt: Nach einem leichten Rückgang im ersten Pandemiejahr hat sich die Akzeptanz für erneuerbare Energieprojekte wieder deutlich verbessert. Unter den heimischen Befragten besteht weiterhin hohes Bewusstsein für die Auswirkungen des Klimawandels.

Hohe Akzeptanz für Photovoltaik, wenig Bewegung bei Wärmeversorgung

Rund die Hälfte der Studienteilnehmer*innen befürwortet den weiteren Ausbau von Windkraft, Kleinwasserkraft und Freiflächen-Photovoltaik. Bei allen Energietechnologien ist ein deutlicher Erholungseffekt spürbar. Nahezu 60 % der Befragten stimmen für den weiteren Ausbau von Kleinwasserkraftwerken. Rund die Hälfte der Studienteilnehmer befürwortet den weiteren Ausbau von Windkraft und Freiflächenphotovoltaik. Mit 74 % findet der weitere Ausbau von dach- oder fassadenintegrierten Photovoltaikanlagen die höchste Zustimmung. 71 % der Befragten sind dafür, dass in Österreich mehr Freiflächen-Photovoltaikanlagen gebaut werden sollen.

Der Anteil jener Personen, die selbst eine PV-Anlage innerhalb der nächsten zwei Jahre umsetzen wollen, ist um vier Prozentpunkte gestiegen. Zunehmend mehr Eigenheimbesitzer*innen wollen auch einen Stromspeicher installieren. Weniger Veränderungsbereitschaft gibt es hingegen beim Thema Wärmeversorgung: Im Vergleich zu 2017 stagnieren die Zustimmungswerte bei Wärmepumpen, auch bei Öl- und Erdgasheizungen gibt es nur geringe Veränderungen. Dennoch stimmt rund die Hälfte der Befragten einem Verbot von Gas- und Ölheizungen zu.

Auch die aktuelle Diskussion zu steigenden Preisen bei fossilen Brennstoffen macht deutlich: Es ist mehr Bewegung beim Umstieg auf eine nachhaltige Energieversorgung notwendig – gerade im Wärmesektor.
Nina Hampl, Studienautorin der Universität Klagenfurt

Energiegemeinschaften hoch im Kurs

Finanzielle Bürgerbeteiligungen zur Nutzung erneuerbarer Energien sind seit Beginn der jährlichen Erhebung eines der zentralen Themen – und das Interesse daran flacht nicht ab. Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) ist es für Verbraucher*innen möglich, mit anderen Teilnehmer*innen Energiegemeinschaften zu bilden. Laut Umfrage können sich zwei Drittel der Österreicher*innen eine solche Beteiligung vorstellen, um mit anderen Personen Strom oder Wärme zu erzeugen, zu verbrauchen, zu speichern und zu verkaufen. Nahezu jeder fünfte Studienteilnehmende könnte sich sogar vorstellen, selbst eine Energiegemeinschaft zu gründen.

Wir sind davon überzeugt: Energiegemeinschaften sind ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Mit solchen Projekten erfahren die Menschen, dass sie selbst Teil der Lösung sein können.
Michael Strebl, ehemaliger Geschäftsführer von Wien Energie

Bewusstseinsbildung für Elektromobilität gefragt

Die Stimmung unter den Österreicher*innen hinsichtlich Elektromobilität ist weiterhin hoch, stagniert aber bereits seit einigen Jahren. Derzeit ziehen 43% der Befragten in Betracht, sich selbst ein Elektroauto anzuschaffen. Lediglich ein Drittel der Befragten befürworten ein Zulassungsverbot für Verbrennungsmotoren ab 2030. Hier zeigt sich, wie viel Bewusstseinsbildung im Bereich motorisierter Individualverkehr und (finanzielle) Anreize für den Umstieg auf klimafreundliche Antriebe noch geleistet werden müssen.

Es braucht mehr Anreize wie den flächendeckenden Ausbau der Ladeinfrastruktur, um die Lust auf die Elektromobilität zu heben. Nur so kann die Mobilitätswende gelingen und Österreich die Klimaziele bis 2040 erreichen.
Gerhard Marterbauer, Deloitte Experte

Hoffnungsträger Wasserstoff

Laut Studie gewinnt auch das Thema Wasserstoff an Popularität: Zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, dass sich die Automobilbranche in der Forschung verstärkt auf Wasserstoffantriebe konzentrieren sollte. Aber auch Wasserstoff-Antriebe (insb. im Schwerverkehr) werden sich nur mit Förderungen seitens der öffentlichen Hand etablieren können. Klar ist, dass Wasserstoff aus grünen Quellen stammen muss, um tatsächlich einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Eine Grundvoraussetzung für mehr Nachhaltigkeit im Verkehrssektor ist daher der weitere Ausbau erneuerbarer Energie – hier zeigt die Studie, dass sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung (78%) in diesem Bereich mehr Engagement von der Politik wünscht.