Heizkostenentwicklung für Fernwärme und Gasnutzung in Wien bis 2040

Das Wichtigste in Kürze

Die über 15 Jahre betrachteten Wärmevollkosten zeigen, dass Fernwärme im Vergleich mit Gasheizungen aufgrund niedrigerer Betriebskosten sowie der nach Förderungen geringeren Investitionen in den meisten Fällen günstiger abschneidet.

  • In den meisten Szenarien ist Fernwärme sowohl im Einstiegsjahr als auch über den gesamten Zeitraum hinweg bei den Betriebskosten für Endverbraucher*innen günstiger als Gasheizungen, während Gasheizungen in manchen Fällen - insbesondere in den Niedrigpreisszenarien leicht niedrigere Betriebskosten aufweisen. In diesen wird jedoch – im Gegensatz zur Fernwärme – keine Dekarbonisierung erreicht.
  • Die Kosten für fernwärmeversorgte Kunden steigen im Vergleich zu gasversorgten Kunden auch im Hochpreisszenario deutlich weniger stark. Fernwärme zeigt sich aufgrund der diversifizierten Erzeugungsstruktur robuster gegen Preis- und Netzentgeltvolatilitäten.
  • Die Vorteilhaftigkeit von Gas oder Fernwärme aus Perspektive der Eigentümer*innen hinsichtlich Nettoinvestitionen, variiert mit der Verfügbarkeit von Förderungen für den Umstieg auf Fernwärmeversorgung – diese senken Netto-Investitionen deutlich und verbessern die Wirtschaftlichkeit des Fernwärmeanschlusses. Bei vorhandenen Förderungen fallen die Investitionen für einen Fernwärmeanschluss in drei von fünf Mustergebäuden für die Hauseigentümer*innen niedriger aus im Vergleich zu einer Re-Investition in Gasthermen bzw. Gaskessel.

Die Studie im Überblick

Die Entscheidung für ein Heizsystem ist immer eine langfristige Entscheidung für die Energieversorgung. Sie prägt den Energieverbrauch über Jahrzehnte, beeinflusst Investitions- und Betriebskosten nachhaltig. Dabei spielen insbesondere Kosten eine zentrale Rolle, da sie für viele Haushalte und Gebäudeeigentümer*innen ein entscheidendes Kriterium bei der Akzeptanz der Heizung darstellen.

Wien Energie hat die Studie beauftragt, um aus wirtschaftlicher Sicht eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Kund*innen bereitzustellen. Hintergrund sind die Vorgaben des Wiener Klimafahrplans und des Wiener Klimaschutzgesetzes, die einen vollständigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis 2040 festlegen. Der langfristige Ausstieg aus Gas ist dabei über gesetzliche Vorgaben hinaus ein zentraler Baustein für eine klimafitte Stadt, da dieser die regionale Wertschöpfung stärkt, die Abhängigkeit von fossilen Importen reduziert und zu einer sauberen, sicheren und langfristig leistbaren Energieversorgung beiträgt. Um die Energiewende gemeinsam zu schaffen, ist ein gutes Verständnis notwendig, wie sich die Heizungsumstellung in unterschiedlichen Gebäudetypen technisch und wirtschaftlich heute, sowie über 15 Jahren, bis 2040 auswirkt.

Die Studie zeigt auf, welche Investitionen bei Zentralisierung, Gebäudetechnik und Anschluss an die Fernwärme entstehen und stellt diese den Reinvestitionen in bestehende Gasheizungen gegenüber (beispielsweise den Tausch von Gasthermen). Ein wesentlicher Aspekt ist die Betrachtung der Betriebskosten für die Heizungsformen und wie sich diese bis 2040 entwickeln könnten. Diese Kosten werden aus den unterschiedlichen Blickwinkeln – den Verantwortlichen für das Gebäude und den Nutzern des Gebäudes betrachtet und miteinander verglichen. Durch verschiedene Szenarien zu Energiepreisen, Netzentgelten und Biomethanquoten werden zudem Zukunftsrisiken und Kostenunsicherheiten berücksichtigt.

Ziel ist es Aussagen zu treffen, ob und unter welchen Umständen die Umstellung auf Fernwärme für Hausbesitzer*innen sowie Endverbraucher*innen in den betrachteten Szenarien wirtschaftlich vorteilhaft ist, wie die langfristigen Wärmekosten im Vergleich zu Gas liegen und welche Faktoren für einen erfolgreichen „Raus aus Gas“-Pfad besonders relevant sind. Damit leistet die Studie einen wichtigen Beitrag dazu, den nachhaltigen Umbau der Wärmeversorgung für alle Beteiligten transparenter und planbarer zu gestalten und fundierte Aussagen treffen zu können.

Vorgehensweise bei der Studienerstellung 

Die Studie analysiert fünf verschiedene Wiener Mehrparteienhäuser, die heute überwiegend mit Gasthermen oder Gaskesseln beheizt werden. Für jedes Gebäude wurden mehrere Szenarien modelliert: der Weiterbetrieb inklusive der Reinvestition in Gasheizungen gegenüber dem Umstieg auf Fernwärme. Bewertet wurden alle technischen und wirtschaftlichen Faktoren, darunter Investitionskosten, verfügbare Förderungen, Energiepreise, Netzentgelte, CO₂-Kosten sowie laufende Wartungs- und Betriebskosten.

Die Betriebskosten wurden getrennt nach Energiepreisen, Netzentgelten, Abgaben sowie Wartungs- und Servicekosten für jedes Jahr von 2026 bis 2040 modelliert. Grundlage dafür waren zwei Energiepreis- und Netzentgeltpfade sowie spezifische Annahmen zu Gas, Biomethan, Strom und Fernwärme. Die zwei Energiepreis- und Netzentgeltpfade dienten dazu, unterschiedliche Entwicklungen am Gas- und Energiemarkt realistisch abzubilden. Das Szenario „niedrig“ nimmt dabei im Gegensatz zum Szenario „hoch“ keine Dekarbonisierung der Gasversorgung bis 2040 an und hinterlegt auch nur sehr moderate Steigerungen der Gasnetzentgelte. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kosten von Gasheizungen auf Preisänderungen deutlich stärker reagieren. Durch die Diversifizierung der Wärmeaufbringung der Fernwärme bleiben die Kosten im Vergleich dazu robuster und steigen unter den gegebenen Szenarien deutlich geringer.

Die Studie skizziert in diesen Szenarien, wie sich Heizkosten bis 2040 für Hauseigentümer*innen und Endverbraucher*innen entwickeln könnten, welche Technologien in welchen Gebäuden wirtschaftlich am günstigsten sind und welche Rolle Energiepreise, Förderungen und die Notwendigkeit zur Erreichung der Klimaneutralität spielen. Die Studie stützt sich maßgeblich auf veröffentlichte Quellen sowie Expert*inneneinschätzungen, um eine möglichst objektive und nachvollziehbare Entwicklung der künftigen Kosten darzustellen.

Ziel der Untersuchung war es Gebäudeeigentümer*innen und Endverbraucher*innen, eine objektive und verlässliche Entscheidungsbasis für den langfristigen Ausstieg aus fossilem Gas und die Umstellung auf Fernwärme in Wien zu schaffen. Damit liefert die Analyse eine zentrale Orientierung für Planung, Kommunikation und politische Gestaltung entlang des „Raus aus Gas“-Pfads und der Ziele des Wiener Klimafahrplans und ermöglicht gleichzeitig Kund*innen fundierte Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

Inhalte und Ergebnisse

Die Studie vergleicht die heutigen sowie künftigen Wärmekosten von Gasheizungen und Fernwärme in fünf typischen Wiener Mehrparteiengebäuden. Diese Gebäude unterscheiden sich bewusst in Größe, Wärmebedarf und Ausgangszustand (Gasthermen oder zentraler Gaskessel), um ein breites Bild der realen Gebäudestruktur in Wien abzubilden. Für jedes Gebäude wurden zwei alternative Entwicklungen („niedrig“ und „hoch“) der energetischen Betriebskosten, Energiepreise und Netzentgelte, modelliert. In beiden Szenarien wurde jeweils berechnet, wie sich ein Weiterbetrieb inklusive Reinvestition in Gasheizungen gegenüber dem Umstieg auf Fernwärme bis 2040 wirtschaftlich darstellt. Insgesamt flossen damit 20 voll durchgerechnete Fälle in die Analyse ein.

Es wurden unterschiedliche Kostenarten berücksichtigt, die sowohl gesamthaft (als Wärmevollkosten) als auch aus verschiedenen Nutzer*innenperspektiven analysiert wurden. Die Nettoinvestitionen wurden dabei den Hausbesitzer*innen zugeordnet, da sie in der Regel die Investitionen in ein neues Heizsystem tragen. Dazu zählen insbesondere die Kosten für neue Wärmeerzeuger, den Fernwärmeanschluss sowie erforderliche Maßnahmen zur Zentralisierung der Heizanlage. Im Gegensatz dazu fallen die Betriebskosten üblicherweise bei den Endverbraucher*innen an. Dazu gehören sowohl energetische Kosten – wie Endverbrauchstarife, Netzentgelte, Abgaben und Steuern – als auch nicht-energetische Kosten wie Wartung, Betriebsführung und Wärmemessung, die im laufenden Betrieb der Heizung und Warmwasserbereitung entstehen.

Gesamtperspektive - Vollkostensicht

Die Ergebnisse zeigen, dass Fernwärme in allen modellierten, vollständig dekarbonisierten Kostenszenarien („hoch“) die geringsten Wärmevollkosten aufweist und somit die günstigste Technologie ist (Abbildung 1). Besonders in größeren Gebäuden wirken Skaleneffekte bei Investitionen und Betriebskosten deutlich kostensenkend. Doch auch in kleineren Gebäuden erweist sich Fernwärme in diesen Szenarien als wirtschaftlich vorteilhaft, sofern sowohl Bundes- als auch Landesförderprogramme genutzt werden können. Gasthermen schneiden im Niedrigpreisszenario in spezifischen Konstellationen etwas günstiger ab. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in diesen Fällen bis 2040 keine Dekarbonisierung erreicht wird.  

Abbildung 1: Spezifische Wärmevollkosten für fünf Mustergebäude im Zeitraum 2026–2040 [EUR/MWhth

Betriebskosten - Sicht der Endverbraucher*innen

Um die Betriebskosten für die Endverbraucher*innen darzustellen, unterscheiden sich zwei Szenarien in zentralen Annahmen: Im Kostenszenario niedrig steigen Energiepreise, Gasnetzentgelte und CO₂-Kosten moderat, und das zur Wärmeerzeugung eingesetzte Gas bleibt bis 2040 fossil – eine vollständige Dekarbonisierung wird bei den Gastechnologien also auch 2040 nicht erreicht. Im Kostenszenario „hoch“ hingegen steigen Energiepreise und Netzentgelte deutlich stärker, und Gasheizungen müssen bis 2040 vollständig auf Biomethan umgestellt werden. Das führt zu wesentlichen Kostenunterschieden: Die Kosten für Gasheizungen reagieren deutlich stärker auf Energiepreis- und Netzentgeltänderungen als die Kosten für Fernwärme, die aufgrund ihres diversifizierten und bis 2040 dekarbonisierten Erzeugungsportfolios deutlich geringere Abhängigkeit von Energieträgerpreisen Gas und Strom aufweist, als dies für Erdgas der Fall ist.

Die Aggregierung der Betriebskosten über den Betrachtungszeitraum von 2026 bis 2040 zeigt, dass die Umstellung auf Fernwärme stabile und planbare Betriebskosten ermöglicht und nach der Umstellung auf Fernwärme je nach Mustergebäude und Preisszenario auch Kosteneinsparungen für die Endnutzer*innen mit sich bringt. Es wird deutlich, dass Fernwärme deutlich robuster gegenüber Marktpreisschwankungen ist (Abbildung 2). Gasheizungen haben hingegen Kostenrisiken, die sich aus potenziell steigenden Netzentgelten, zunehmender CO₂-Bepreisung und den Kosten für die Dekarbonisierung von Gas ergeben können.

Abbildung 2: Betriebskosten für Endverbraucher*innen über den Zeitraum 2026–2040

Es zeigt sich, dass in den betrachteten Musterwohnungen die Betriebskosten auch direkt bei der Umstellung nicht stark voneinander abweichen. Ein starker Kostenanstieg durch die Umstellung für die Endverbraucher*innen lässt sich aus diesen Ergebnissen nicht ableiten. Ob durch die Heizungsumstellung auch sofort Kostensenkungen in den Betriebskosten erzielt, werden können, hängt von den Mustergebäuden ab – je größer diese sind desto eher ist eine Einsparung zu erwarten (Abbildung 3).

Abbildung 3: Betriebskosten für Endverbraucher*innen im ersten Jahr (2026)

Investitionen - Sicht der Hauseigentümer*innen

Eine weitere zentrale Erkenntnis betrifft die Investitionsseite: Die Nettoinvestitionen für den Umstieg auf Fernwärme hängen stark von der Förderlandschaft ab (Abbildung 4). Durch gewährte Förderungen werden Investitionen in die Fernwärmeanschlüsse in 3 von 5 Mustergebäuden günstiger als die Reinvestition in Gastechnologien. In Gebäuden mit Anspruch auf Landesförderung verbessert sich die Wirtschaftlichkeit des Fernwärmeanschlusses dabei deutlich. Gasheizungen profitieren hingegen nicht von vergleichbaren strukturellen Förderungen.

Abbildung 4: Nettoinvestitionen für Hauseigentümer*innen (abzüglich Förderungen) als EUR je kW Wärmeleistung [EUR / kWth

Fazit

In Summe bestätigen die Ergebnisse, dass Fernwärme über Gebäudetypen und Szenarien hinweg eine langfristig wirtschaftlich tragfähige Energieversorgung für Wohngebäude darstellt. Je nach Kostenszenario haben Kunden, die von Gasheizungen auf Fernwärme umrüsten jedenfalls keine wirtschaftlichen Nachteile, sondern sogar Vorteile.  Damit liefert die Analyse eine klare, faktenbasierte Grundlage auch für wirtschaftliche Entscheidungen im Rahmen des „Raus aus Gas“-Pfads und der Wiener Dekarbonisierungsstrategie.

Die Wiener Fernwärme ermöglicht durch die Umsetzung der geplanten Transformation der Aufbringung eine effiziente Dekarbonisierung der städtischen Wärmeversorgung. Wien Energie investiert dafür in ein zunehmend erneuerbares und breit diversifiziertes Erzeugungsportfolio – von Geothermie über Großwärmepumpen bis hin zur Abwärmenutzung. Durch die Umstellung auf Fernwärme können zahlreiche Gebäude fossilfrei werden, ohne dass jede Liegenschaft eigene technische Lösungen entwickeln muss. Damit ist Fernwärme bereits heute eine sehr umweltfreundliche Heizungsalternative und wird das auch in zunehmendem Maße in der Zukunft sein.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich eine Umstellung auf Fernwärme auch ökonomisch lohnt. Fernwärme ist bereits heute in vielen Fällen wirtschaftlich attraktiv und wird langfristig – insbesondere in vollständig dekarbonisierten Varianten – kostengünstiger als Gasheizungen. Das diversifizierte, erneuerbare Erzeugungsportfolio sorgt vor allem langfristig für stabilere Betriebskosten, die Preisschwankungen auf Energie- und Gasmärkten wirksam abfedern.

Förderungen für die Heizungsumstellung sind dabei ein zentraler Hebel, da sie die Anfangsinvestitionen senken und den wirtschaftlichen Einstieg in die Dekarbonisierung erleichtern. Stabile und verlässliche Förderbedingungen bieten Eigentümer*innen die erforderliche Planungssicherheit hinsichtlich der Investitionen über viele Jahre hinweg.

Insgesamt bestätigt die Analyse: Fernwärme ist die verlässliche, klimafreundliche und wirtschaftlich stabile Lösung für Wien. Sie ermöglicht eine zukunftssichere, fossilfreie Wärmeversorgung – umweltfreundlich, preisstabil und langfristig wirtschaftlich attraktiv.