Der Schlüssel zu Energiegemeinschaften

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine von Wien Energie in Auftrag gegebene Studie liefert einen aufschlussreichen Überblick über die Umsetzung von innovativen (Stadt-)Quartieren und Energiegemeinschaften im europäischen Raum.
  • Richtig aufgesetzt und durch die aktive Beteiligung von Bürger*innen könnten Energiegemeinschaften maßgeblich dazu beitragen, die Energiewende voranzutreiben.
  • Das Erneuerbaren Ausbau Gesetz schafft ab 2021 den gesetzlichen Rahmen, um die Errichtung von Energiegemeinschaften zu ermöglichen.

Energiegemeinschaften erfolgreich umsetzen – aber wie?

Wer sind die zentralen Akteure und welche Rolle spielen sie bei der Errichtung von Energiegemeinschaften? Was motiviert sie gemeinschaftlich erneuerbare Energie zu erzeugen? Diese und weitere Forschungsfragen sollen im Rahmen einer neuen Studie Aufschluss über die Erfolgsfaktoren und Hindernisse bei der Errichtung von Energiegemeinschaften geben.

In einem ersten Schritt wurden knapp 80 bestehende europäische Projekte im Themenfeld Energiegemeinschaften und Plusenergiequartiere systematisch erfasst. Darauf erfolgte eine Einteilung nach Kriterien wie Größe der Stadt und des Areals, Neubau oder Bestandsanierung, Energiekonzept sowie innovative Aspekte. In einem zweiten Schritt wurden sechs bedeutende Projekte für eine vertiefende Analyse ausgewählt. Leitfadengestützte Expert*inneninterviews hatten zum Ziel, Antworten auf die Herausforderungen für eine erfolgreiche Umsetzung von Energiegemeinschaften zu finden.

Die smarte Lösung

Mit dezentralen Erzeugungsanlagen in Kombination mit Speichersystemen wird eine flexible Versorgung gewährleistet und der Eigenverbrauch gesteigert. Durch das Anbieten weiterer Energiedienstleistungen werden Energiegemeinschaften noch attraktiver. Die Einbindung von E-Mobilitätskonzepten, die im Zuge eines Car-Sharing-Systems miteinander genutzt werden können, ist eine weitere Möglichkeit, den Energieeigenverbrauch zu steigern. Dies geschieht zum Beispiel im portugiesischen Évora, das Vehicle-to-Grid-Modelle (V2G) testet. Elektroautos dienen dabei als elektrischer Speicher, der bei Engpässen im Stromnetz über eine intelligente E-Ladestelle als Einspeiser dient.

Digitale Plattformen und Blockchain benötigt

Eines steht fest: Die Energiewende erfordert Kommunikation. Blockchain macht diese Interaktion möglich. Neben dem Viertel Zwei in Wien bedienen sich auch das Energiequartier Walenstadt in der Schweiz der Blockchain-Technologie. Gemeinsam mit dem lokalen Energieversorgungsunternehmen entwickelt man dort auf Basis der Blockchain-Technologie den ersten Peer-to-Peer-Energiemarkt der Schweiz. In den meisten untersuchten Energiegemeinschaften werden digitale Plattformen verwendet. Diese dienen in erster Linie zur Visualisierung der Energieverbräuche, wodurch einerseits eine bessere Nachvollziehbarkeit und Dokumentation gewährleistet wird, andererseits aber auch ein konkreter Anreiz zum Energiesparen geschaffen wird.

Energiegemeinschaft wird zum Erlebnis

Für die erfolgreiche Umsetzung von Energiegemeinschaften ist es wichtig die Motivationsgründe der Teilnehmer*innen zu verstehen. Zwar ist die monetäre Ersparnis ein Grund, jedoch dominieren auch Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Innovation und Technologie. Auch wurde die Bedeutung des Community-Erlebnisses hervorgehoben, das sich dadurch auszeichnet, dass Menschen frühzeitig in die Planung und Errichtung von Energiegemeinschaften miteinbezogen werden. In städtischen Gebieten bedeutet dies für eine erfolgreiche Umsetzung von Energiegemeinschaften eine frühzeitige Abstimmung mit Stadtplanungs- und Stadtentwicklungsabteilungen.

Checkliste für die Umsetzung

Die Akzeptanz der Bevölkerung für den Ausbau von erneuerbaren Energiequellen spielt eine tragende Rolle und gilt als wesentlicher Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Transformation des Energiesystems. Es ist wichtig, die Vorteile und Chancen, die sich durch den Zusammenschluss zu einer Erneuerbaren Energiegemeinschaft ergeben, öffentlich zu kommunizieren. Teilnehmer*innen sollten frühestmöglich und ohne bürokratische Hürden eingebunden werden. Um die Sicherheit für die Mitglieder einer Energiegemeinschaft zu erhöhen, soll die Möglichkeit geschaffen werden, diese durch Förderungen zu unterstützen. Wird das bei der Planung bedacht, können erneuerbare Energiegemeinschaften und Plusenergiequartiere einen wichtigen Beitrag für eine langfristige nachhaltige Stadtentwicklung leisten. So fördert die Stadt Wien die Planung und Errichtung von Plusenergiequartieren, um die in der Smart City Rahmenstrategie vereinbarten Zielen in die Umsetzung zu bringen.

Viertel Zwei ist vorne dabei!

Die Ergebnisse der europaweit durchgeführten Studie zeigen klar: Wien Energie hatte von Anfang an den richtigen Riecher. Im Stadtentwicklungsgebiet Viertel Zwei werden seit über zwei Jahren gemeinsam mit 100 BewohnerInnen innovative Mobilitäts-, Energie- und Wohnkonzepte erforscht und entwickelt. Von Anfang an wurden die BewohnerInnen eingeladen ihre Ideen einzubringen. Für den Handel mit Strom kommt die Blockchain-Technologie zum Einsatz. Durch sie wird eine sichere und transparente Abrechnung gewährleistet, was Energie und Energieeffizienz greifbar macht. Nächstes Jahr wird mit dem Inkrafttreten des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes der Startschuss für die Errichtung weiterer Energiegemeinschaften erteilt. Wien Energie ist bereit bei der Errichtung weiterer Energiegemeinschaften tatkräftig zu unterstützen!