Individuelle Klimaschutz-Maßnahmen verlieren in Österreich an Priorität

Das Wichtigste in Kürze
- Die Zustimmungswerte zu erneuerbaren Energien sinken leicht.
- Der Klimawandel wird von der Bevölkerung als dringendes Problem anerkannt, die Eigeninitiative geht jedoch zurück.
- Aufgrund von hohen Anschaffungskosten und vermeintlich geringen Reichweiten verzögert sich die Wende zur Elektro-Mobilität.
- Der Bestand an Ölheizungen geht zurück, Luftwärmepumpen gewinnen an Beliebtheit
Stimmungslage zur Energiewende - Der jährliche Check
Wie stehen die Österreicher*innen zu erneuerbaren Energien? Das untersucht die jährlich durchgeführte, repräsentative Studie „Erneuerbare Energien in Österreich“ von der WU Wien, Deloitte Österreich und Wien Energie. Die durchgeführte Befragung von über 1.000 Österreicher*innen zeigt auf, dass nach dem Boom der Erneuerbaren 2022 der Akzeptanzrückgang aus 2023 im letzten Jahr fortgesetzt wurde. Der Klimawandel wird zwar von der österreichischen Bevölkerung als das drängendste Problem der nächsten Jahrzehnte gesehen, die Bereitschaft für aktive, individuelle Maßnahmen geht jedoch zurück. Energieprojekte im eigenen Umfeld werden auch zunehmend kritischer gesehen.
Photovoltaik weiterhin am beliebtesten
Bei den erneuerbaren Energien zeigen die Umfrageergebnisse eine sinkende Akzeptanz. Am beliebtesten ist hier jedenfalls die Photovoltaik, deren Akzeptanz bei 81% liegt. Bei der Windkraft ergibt sich ein anderes Bild. Hier liegen die Zustimmungswerte weiterhin unter zwei Drittel. Was sich beobachten lässt: Das Interesse, durch Photovoltaik-Anlagen Eigenstrom zu produzieren, ist weiterhin hoch. Von den Befragten hat fast ein Drittel selbst eine PV-Anlage am eigenen Haus oder Wohngebäude angebracht. Was sich auch beobachten lässt: Zunehmend mehr Personen arbeiten an der Optimierung ihrer Anlagen. Mittlerweile haben 39% der Befragten mit PV-Anlage auch einen Stromspeicher installiert.
Grundsätzlich lässt sich durch die Studie auch feststellen, dass der Wille zur Beteiligung an der Energiewende in der Bevölkerung verankert ist. 25% der Befragten können sich eine Beteiligung an einem erneuerbaren Energieprojekt vorstellen. Die Bereitschaft, sich einer Energiegemeinschaft anzuschließen, liegt sogar bei 50%.
Die Bereitschaft der Bevölkerung zur lokalen Produktion und weniger Abhängigkeit ist da, das zeigt auch die anhaltende Nachfrage nach Energiegemeinschaften und Beteiligungsprojekten. Für einen spürbaren Schritt nach vorne braucht es einen wirksamen Mix aus Anreizen, Information und Engagement aller Stakeholder.
Akzeptanz für die Mobilitätswende gerät ins Stocken
Neben der Stromwende nimmt auch die Wärmewende langsam Fahrt auf: Während der Bestand an Ölheizungen stetig zurückgeht, steigt die Zahl an Luftwärmepumpen kontinuierlich. Bei der Mobilitätswende ergibt sich ein anderes Bild. So hat das Kaufinteresse an E-Autos weiter abgenommen. Als Gründe hierfür werden von 82% die teuren Anschaffungskosten und von 78% die vermeintlich zu geringe Reichweite genannt. Der Kostenfaktor kann jedoch auch als positiver Aspekt gesehen werden: Als Hauptargumente für den Kauf eines Elektroautos werden von 68% die niedrigen Betriebskosten und von 63% die öffentliche Förderung genannt. Der Faktor Emissionsfreiheit folgt mit 62% dicht darauf.
Die hohen Autopreise sind vor allem angesichts der anhaltenden Teuerung ein zentraler Faktor, warum der E-Auto-Markt nicht in die Gänge kommt. Zwar gibt es mittlerweile ein breiteres Angebot, gerade im preiswerteren Segment muss sich aber noch mehr tun. Ansonsten wird die E-Mobilität in Österreich weiterhin nur ein Nischenthema bleiben.
Kluft zwischen Absicht und tatsächlichem Verhalten
Dass der Klimawandel ein dringendes Problem unserer Gesellschaft ist, wird von der Bevölkerung anerkannt. So sprechen sich 79% dafür aus, dass die künftige Bundesregierung mehr Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs in Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Gebäuden setzen sollte. Beeinflusst von den verheerenden Hochwasser-Ereignissen im Herbst 2024 sprechen sich auch über zwei Drittel für mehr Hochwasser-Schutzmaßnahmen aus. Die Ergebnisse zeigen aber eine Diskrepanz in der Bevölkerung. Der Bewusstheit der Gefahren durch den Klimawandel steht eine schrumpfende Akzeptanz für erneuerbare Energien gegenüber.
Während die Österreicherinnen und Österreicher dem Klimawandel mittlerweile sehr große Bedeutung zurechnen und viele die Auswirkungen bereits spüren, gehen die Akzeptanzwerte für erneuerbare Energieprojekte zurück. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Menschen können erneuerbare Energietechnologien grundsätzlich gutheißen und deren positiven Beitrag zum Klimaschutz sehen, aber erneuerbaren Energieprojekten skeptisch gegenüberstehen. Faktenbasierte Bewusstseinsbildung kann einen Beitrag leisten, diese Diskrepanz aufzulösen.