Vom HTL-Absolventen zum Kraftwerksmitarbeiter

Jakob Königshofer hat 2019 die HTL Wien West absolviert. Seit September 2020 arbeitet er im Kraftwerksbetrieb von Wien Energie. In einem Interview erzählt er, wie es dazu gekommen ist.
Aktualisiert am: 09.05.2023
Jakob Königshofer, ein Wien Energie Mitarbeiter in blauer Uniform und Schutzhelm, steht stolz vor einem Gebäude, das das Schild „WIEN ENERGIE“ schmückt.

Bei zwei bis fünf 12-Stunden-Schichten pro Woche hat man mal mehr, mal weniger Freizeit. In einer Woche mit mehr Freizeit hat Jakob Königshofer die HTL Wien West, seine ehemalige Schule, besucht, zum ersten Mal nach dem letzten Tag der offenen Tür „vor Corona“, um ein paar Fragen zu beantworten.

Dieser Artikel ist auch in der Alumni-Zeitschrift der HTL Wien West erschienen.

Jakob, was hat sich bei dir seit Juni 2019 getan?

, Schichtarbeiter im Kraftwerk Donaustadt
Copyright: Michael Horak

Zwei Wochen nach der Matura habe ich meinen Präsenzdienst begonnen: Ich war sechs Monate lang bei der Garde. Da gab es zwar manchen interessanten Einsatz, aber ich hatte auch genug Zeit, über meine Zukunft nachzudenken – und habe beschlossen, zunächst einmal für ein Jahr nach Toronto zu gehen, wo ich bei Verwandten wohnen konnte.

Ich wollte dort meine Englischkenntnisse verbessern und in einem Café arbeiten, hatte auch schon Arbeitserlaubnis und Visum; der Flug war für April 2020 geplant. Um fachlich kompetent zu sein, habe ich noch eine Barista-Ausbildung absolviert. Aber dann kam Covid, es kamen Lockdowns und Reisesperren – und ich musste in Wien bleiben und hier einen Job suchen.

Das war sicher schwierig, in der ersten Phase der Pandemie ...

, Schichtarbeiter im Kraftwerk Donaustadt
Copyright: Michael Horak

Ja, leider. Von einigen Firmen kamen zwar prinzipielle Zusagen, aber es hieß zugleich immer: Angesichts von Corona müssten sie noch abwarten. Ich habe die Zeit dann für Ausbildungen genutzt, habe z.B. die EBCL-Prüfung abgelegt und einen Online-Kurs für E-Plan gebucht.

Die Arbeit damit hat mir aber nicht zugesagt. Somit wusste ich zumindest schon einmal, in welchem Bereich ich nicht arbeiten wollte ...

Wie hast du dann deinen derzeitigen Arbeitsplatz gefunden?

, Schichtarbeiter im Kraftwerk Donaustadt
Copyright: Michael Horak

Eigentlich hat „er“ mich gefunden: Es kam ein Anruf von Wien Energie, ohne dass ich mich dort beworben hatte. Aber sie hatten meine Daten vom AMS – und ich hatte Interesse. Es folgten zwei Vorstellungsrunden sowie ein Gesundheitstest, der Voraussetzung für die Aufnahme in die Betriebsfeuerwehr ist. Auch der Führerschein war erwünscht – die Prüfung habe ich am 7. September abgelegt, und am 8. war Arbeitsbeginn.

Und wo genau hast du begonnen?

, Schichtarbeiter im Kraftwerk Donaustadt
Copyright: Michael Horak

Zunächst im Kraftwerk Simmering, aber schon nach drei Tagen habe ich im Kraftwerk Donaustadt von Neuem mit der Einschulung begonnen, weil ich dort dringender benötigt wurde. Die Ausbildung umfasste mehrere Bereiche: Die Ausbildung zur Betriebsfeuerwehr war Teil davon, vor allem aber musste ich die Wartung von Dampfkesseln, Dampf- und Gasturbinen und Motoren erlernen.

Nach einem Jahr erfolgte dann der sogenannte „Freispruch“: Man erhält dadurch die Verantwortung für sämtliche Schaltvorgänge im Kraftwerk. Circa einen Monat später hatte ich auch noch eine externe Prüfung zum Betriebswärter beim TÜV abzulegen. Daraufhin habe ich dann auf Vorschlag meiner Vorgesetzten die Ausbildung zum Kraftwerker begonnen. Der theoretische Teil dauert vier Monate und findet für die meisten Kraftwerke des deutschsprachigen Raumes in Deutschland statt, an der Kraftwerksschule Essen.

Wie war das im Vergleich zur HTL?

Schwieriger, weil der Stundenplan sehr dicht und der Stoff sehr stark komprimiert ist. Es muss ja alles in vier Monaten untergebracht werden, und in dieser Zeit ist man von der Außenwelt relativ abgeschottet. Die Prüfung erfolgt dann durch die IHK (Industrie- und Handelskammer). Von der Technik her ist auch noch erwähnenswert, dass man mit Systemen aus den 1970er-Jahren genauso arbeitet wie mit neuesten Betriebsmitteln. Einige E-Pläne sind noch von Hand gezeichnet, und die Bezeichnungen sind zum Teil unterschiedlich, weil sie sich im Lauf der Jahrzehnte geändert haben.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich vieles von meinem HTL-Wissen hier anwenden konnte und kann, von den einfachsten Sachen weg. In der Kraftwerker-Ausbildung war für mich vieles aus der Technik nicht neu, weil ich davor die HTL besucht hatte.

Seit Ende Februar arbeitest du jetzt im Kraftwerk Simmering. War das eine große Umstellung?

Jakob Königshofer in Schutzhelm und Uniform, steht draußen neben einem Gebäude mit der Aufschrift „WIEN ENERGIE“.
Copyright: Michael Horak

Ja, de facto hat die Ausbildung zum Schaltberechtigten Elektrobetriebstechniker neu begonnen, weil der räumliche Aufbau ja völlig anders ist als in Donaustadt. Außerdem ist Simmering das leistungsstärkste Kraftwerk Österreichs. Aber auch das Kraftwerk Donaustadt hat seine Besonderheiten.

Im Sommer startet hier z.B. der weltweit erste Wasserstoff-Versuch seiner Art: Im ersten Stadium wird dem auf der Gasturbine verbrannten Erdgas 15 Prozent Wasserstoff beigemengt, im zweiten Stadium sollen es dann 30 Prozent sein.

Wie schauen deine Pläne für die nähere Zukunft aus?

Jakob Königshofer arbeitet an einem Computertisch, der von mehreren Monitoren umgeben ist.
Copyright: Michael Horak

Voraussichtlich im Jänner 2024 gehe ich wieder nach Essen, diesmal sogar für ein Jahr. Aber nicht, weil es dort so schön ist – in Wien gefällt es mir viel besser. Ich möchte in Essen die Ausbildung zum Kraftwerksmeister machen, wodurch ich danach für den Betrieb sämtlicher thermischer Kraftwerksanlagen der Wien Energie verantwortlich sein kann.

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Jakob Königshofer im Interview » Von der HTL zum Kraftwerk