Private Einblicke in Friedensreich Hundertwassers Wohnungsatelier
Am Dach des Kunst Haus Wien entwarf der Künstler Friedensreich Hundertwasser vor 30 Jahren eine private Atelierwohnung. Sein Vorbild war die Natur. Seine Ideen sind aktueller denn je.
Friedensreich Hundertwassers Atelierwohnung
Der berühmte Künstler plante seine Wohnung im Kunst Haus Wien so natürlich wie möglich in der obersten Etage. Wichtig war ihm, dass auch Tiere in der Nähe leben konnten. Daher wurde zusätzlich zur 100 Quadratmeter großen Wohnung ein 220 Quadratmeter großer Dachgarten mit Wiese und Bäumen errichtet.
Die Tür zur Wohnung von Hundertwasser führt direkt in den Dachgarten. Dort malte er gerne, machte Gymnastik und pflanzte Obstbäume. Manchmal hängte er seine Bilder in die Baumkronen, um zu prüfen, ob sie der Natur ähneln.
Es war sein Wunsch, eine Kuh am Dach zu halten, daraus wurde aber nichts. Heute leben dafür zwei Bienenvölker mit insgesamt 140.000 Bienen dort.
Die Böden in Hundertwassers Wohnung sind nicht eben. Manchmal sind sie höher, manchmal niedriger - so fühlt sich der Untergrund im Innenraum an wie auf einer Wiese.
Im Wohnzimmer beträgt der Höhenunterschied des Bodens bis zu 40 cm. „Ein unebener Fußboden bringt die Würde der Menschen zurück, die ihnen im gleichmäßigen Städtebau genommen wurde“, sagte er.
Hundertwasser lebte bis 1998 während seiner Wien Aufenthalten in der Dachgeschoßwohnung. Ab 2014 wurde die Wohnung an "Artists in Residence" wie Arik Brauer und Ernst Fuchs vergeben.
Steckbrief zum Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser

Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser, mit bürgerlichem Namen Friedrich Stowasser, wurde am 15. Dezember 1928 in Wien geboren. 1936 besuchte er ein Jahr lang eine Montessori Schule in Wien. Nach der Matura im Jahr 1943 studierte er drei Monate an der Akademie der bildenden Künste.
Der österreichische Künstler war nicht nur für seine Bilder bekannt. Er widmete sich vor allem auch dem Umweltschutz und der Natur und war ein Visionär. Er lebte stets im Einklang mit der Natur und gilt heute als Öko-Pionier. Er legte Wert auf Nachhaltigkeit und war seiner Zeit voraus. Er benutzte eine Humustoilette, Biotope und erneuerbare Energien.
Seit den 50er Jahren beschäftigte sich Hundertwasser mit Architektur und gestaltete vor allem bunte Gebäude mit ungewöhnlichen Formen. Weil es in der echten Natur keine ebenen Oberflächen gibt, sind auch seine Bauten bekanntermaßen eher schräg und uneben.
Darüber hinaus gestaltete er Münzen und Briefmarken und entwarf die Fahne für Neuseeland. Er prägte das Wiener Stadtbild und seine Geschichte.
Zuletzt lebte er in Neuseeland und verstarb am 19. Februar 2000 an Bord der Queen Elizabeth 2 vor Brisbane. Er wurde in seiner Wahlheimat Neuseeland, in der Nähe von Bay of Islands, begraben.
Namensfindung
Seit dem Jahr 1949 trug Friedrich Stowasser den Künstlernamen Hundertwasser. Welche Bedeutung hat sein Künstlername?
"Sto"
Im slawischen bedeutet das Wort „sto“ Hundert. Sto hat Hundertwasser von seinem bürgerlichen Nachnamen abgeleitet.
"Regentag"
Ca. 10 Jahre lang lebte Hundertwasser auf seinem gestalteten Schiff „Regentag“. Er benannte das Schiff „Regentag“ da bei Regen alle Farben besonders leuchten.
Nachdem dies ein wichtiger Lebensabschnitt gewesen war, ergänzte er den „Regentag“ in seinem Künstlernamen. Hundertwassers Regentag liegt heute beim Minoritenkloster in Tulln, im Gästehafen.
"Dunkelbunt"
Hundertwasser umrandete kräftige Farben stets dunkel, damit sie aus der Dunkelheit heraus leuchten. Diese Dunkelheit bezeichnete er als „Dunkelbunt“ und ergänzte das Wort in seinem Künstlernamen.
Die berühmtesten Hundertwasser Gebäude in Wien
Hundertwassers Liebe zur Natur spiegelte sich in den von ihm als Architekt geplanten Bauwerken.
Kunst Haus Wien

Das Kunst Haus Wien war früher eine Bugholzmöbelfabrik und wurde von Hundertwasser umgebaut. Das Kunst Haus ist „ein Haus, in dem man ein gutes Gewissen der Natur gegenüber hat“, sagte Friedensreich Hundertwasser bei der Fertigstellung 1991. Das Gebäude in der Untere Weißgerberstraße 13 im dritten Bezirk zeichnet sich vor allem durch unregelmäßige Elemente aus Glas, Keramikfliesen, Ziegeln und Metall aus.
Im Untergeschoß befindet sich die Galerie, im Erdgeschoß der Museumsshop und das Café sowie die Künstlergarage. Das Café wurde im Stile Hundertwassers erbaut und bietet darüber hinaus einen Gastgarten an. Für Hundertwasser Fans ein absolutes Muss.
Im Dachgeschoß befindet sich die Wohnung des Künstlers selbst.
Hundertwasser-Haus
Das Hundertwasser Haus ist eine Wiener Gemeindebau in der Kegelgasse 37-39 im dritten Bezirk. Daneben befindet sich das Kunstcafe.
Müllverwertungsanlage Spittelau

Nach einem Großbrand der Müllverbrennungsanlage Spittelau im Jahr 1987 wurde die Spittelau von Hundertwasser neu gestaltet. Die Wände und Fassaden sind mit vielen verschiedenfarbigen Keramiken und Mosaiken gestaltet. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Formen und ungewöhnliche Muster. Streicht man mit der Hand über die Wände, so spürt man Unebenheiten und Unregelmäßigkeiten.
Bauwerke außerhalb von Wien
Und außerhalb von Wien? Hundertwasser ist weit über die Grenzen hinaus bekannt, unter anderem hat er folgende Gebäude künstlerisch gestaltet:
- Rogner Bad Blumau
- St. Barbara Kirche in Bärnbach
- Hundertwasserschiff
- Autobahnraststätte in Bad Fischau
- Onkologie in Graz
- Waldspirale in Darmstadt
Seine Kunstwerke sind auch in Japan und Neuseeland zu sehen. Zum Beispiel befindet sich in Kawakawa (Neuseeland) eine Hundertwasser-Toilette.
Fotos: Andreas Jakwerth, Cora Pongracz, Irme Antal





