Landstrom für Schiffe – Nachhaltige Energieversorgung im Hafen

Wien ist ein Zentrum für nachhaltige Schiffsenergie. Die neue Landstrom-Infrastruktur senkt Emissionen und verbessert die Luftqualität. Sie macht das Leben entlang der Donau leiser und sauberer.
Aktualisiert am: 12.02.2026
Passagierschiff am Handelskai, wo Wien Energie eine Landstrom-Infrastruktur aufbaut.

Wien ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt entlang der Donau. Nicht nur an Land, sondern auch am Wasser. Seit 2026 wird die Stadt ein Hotspot für klimafreundliche Energieversorgung von Passagierschiffen.

Wir errichten eine umfassende Landstrom-Infrastruktur, mit der bis zu 50 Schiffe gleichzeitig mit Ökostrom versorgt werden können. Warum das so wichtig ist, wie Landstrom funktioniert und welche Vorteile er bringt, zeigt dieser Überblick.

Was ist Landstrom und warum ist er wichtig? 

Der CO₂-Ausstoß der Schifffahrt – Warum Landstrom notwendig ist 

Die Schifffahrt gilt pro transportierter Tonne als relativ effizient, aber insgesamt sorgt sie trotzdem für erhebliche Emissionen weltweit. Grund dafür sind die enormen Mengen an Gütern und Passagieren, die transportiert werden. Dafür wird viel Energie benötigt. Nicht nur, wenn die Schiffe unterwegs sind, sondern auch, wenn sie einen Stopp einlegen. 

Die Bordsysteme, Küchen, Klimaanlagen und Unterhaltungstechnik müssen rund um die Uhr laufen. Das gilt für große Kreuzfahrtschiffe wie auch für kleinere Passagierschiffe. Auch Frachtschiffe benötigen während der Be- und Entladung große Mengen Energie, besonders für Kühlcontainer. 

Gerade auf der Donau sind Passagierschiffe ein beliebtes Transport- und Tourismusmittel. Damit die Tourist*innen genug Zeit haben, um die Stadt zu erkunden, kommt es in Wien oft zu langen Liegezeiten der Schiffe. Der Energiebedarf für Schiffe ist in Wien so hoch wie an keinem anderen Hafen entlang der österreichischen Donau. 

Dabei laufen in den Häfen oft stundenlang Dieselgeneratoren, um Bordstrom zu erzeugen. Das führt zu lokalen CO₂-Emissionen, Feinstaubbelastung, Geruchsbelästigung und Lärm. 

Funktionsweise: Wie Schiffe an Land Strom beziehen 

Landstrom bezeichnet die Versorgung von Schiffen mit elektrischer Energie aus dem öffentlichen Stromnetz, während sie im Hafen liegen. Eine Transformatorstation an Land wandelt dabei die Netzspannung in eine für das Schiff geeignete Frequenz und Spannung um. Je nach Schiffstyp erfolgt der Anschluss manuell oder halbautomatisch, häufig über sogenannte PowerCubes oder feste Versorgungspunkte am Kai. Diese Powerlockkabel, auch in der Veranstaltungstechnik oft genutzt, sind Hochleistungskabel und für ihre Robustheit und Zuverlässigkeit bekannt. 

Normalerweise erzeugen Schiffe ihre Energie mit bordeigenen Dieselgeneratoren, was zu Emissionen und Lärm führt. Durch den Anschluss an eine externe Stromquelle an Land können diese Emissionen vermieden und die Umweltbelastung reduziert werden. Der Strombezug erfolgt über eine Karte, ähnlich wie bei Elektroautos. 

Vorteile der Landstromversorgung 

Landstrom ermöglicht es, die Dieselgeneratoren an Bord der Schiffe auszuschalten, wenn sie im Hafen liegen. Das bietet viele Vorteile.

  1. Reduzierung von Emissionen

    Das Abschalten der Dieselgeneratoren führt zu einer deutlichen Senkung von CO₂-Emissionen, Stickoxiden und anderer Luftschadstoffe.

  2. Verbesserung der Luftqualität

    Die geringeren Emissionen tragen direkt zur Verbesserung der Luftqualität bei. Davon profitieren Anrainer*innen, Passant*innen, Passagiere und die Schiffsbesatzung.

  3. Verminderung der Lärmbelastung

    Dieselgeneratoren sind auch sehr laut. Durch Landstrom kommt es somit zu einer signifikanten Reduktion der Lärmbelastung in Hafengebieten. Das macht das Leben für Anwohner*innen und Bordcrew angenehmer. Und auch den Aufenthalt für die Passagiere.

Technische Anforderungen an Landstromanlagen

Infrastruktur an den Anlegestellen 

Damit Landstrom genutzt werden kann, braucht es Transformatorstationen, Verteilerschränke und standardisierte Anschlusssysteme. Aktuell errichten wir sechs neue Trafostationen am Schifffahrtszentrum Wien Reichsbrücke und im Hafen Freudenau.

Anschlussmöglichkeiten für verschiedene Schiffstypen 

Nicht jedes Schiff ist sofort „landstromfähig“. Moderne Passagierschiffe verfügen oft bereits über entsprechende Technik, bei älteren Modellen kann ein Umbau nötig sein. Die Landstrom-Infrastruktur muss daher flexibel und modular aufgebaut sein. 

Was man außerdem beachten muss: verschiedene Arten von Schiffen haben einen unterschiedlich hohen Energiebedarf. Kleinere Güterschiffe benötigen weniger Strom als große Kreuzfahrtschiffe. 

Grüner Strom für die blaue Donau – Das Landstrom-Projekt von Wien Energie 

Karte von Wien auf der die Häfen mit Landstromversorgung durch Wien Energie eingezeichnet sind

Auch an anderen Orten an der österreichischen Donau von Landstrom-Infrastruktur. Beispielsweise in Linz, Melk und Krems. Auch Wien nun dazu. Wir schließen den Ausbau der Landstrom-Infrastruktur an den großen Anlegestellen in Österreichs Donaubundesländern ab. 

Die Bauarbeiten beim Schifffahrtszentrum Reichsbrücke haben im Frühling 2025 gestartet, Mitte Juni 2025 beim Hafen Freudenau. Insgesamt wurden am Schifffahrtszentrum Wien Reichsbrücke und im Hafen Freudenau 13 Anlegestellen mit Landstrom ausgestattet. Dafür errichten wir sechs Transformatorstationen, mit denen bis zu 50 Schiffe zeitgleich versorgt werden können. In die angelegten Schiffe fließt dann 100 Prozent Ökostrom. Ein Testbetrieb wurde im Herbst 2025 durchgeführt. 

Die Maßnahmen werden im Rahmen des Projekts „Renewable Shore Power - Vienna Pier“ aus dem EU-Förderprogramm Connecting Europe Facility kofinanziert.

Baufortschritt

Hinter den Kulissen: Die Landstromanlagen in Wien 

Der Hafen Freudenau dient als Winterhafen. In der kalten Jahreszeit werden die Schiffe hier repariert und für die kommende Saison vorbereitet. Die Crew ist dabei auch an Bord, sie überwintert auf dem Schiff. Eine zuverlässige und leistungsstarke Energieversorgung ist deshalb besonders wichtig.

Im Vergleich zur Reichsbrücke benötigt der Hafen Freudenau aber weniger Strom. Im Vergleich zur Reichsbrücke benötigt der Hafen Freudenau aber weniger Strom. Der Grund dafür ist, dass hier im Winter kein touristischer Betrieb stattfindet. Einrichtungen wie Bordküchen, Unterhaltungsangebote oder andere besucherintensive Bereiche sind außer Betrieb. Außerdem ist die Frequenz der Schiffsanlegungen und –abfahrten hier nicht so hoch. 

Das Donauschifffahrtszentrum Reichsbrücke ist hingegen der Dreh- und Angelpunkt für Bootstourist*innen in Wien. Die höhere Frequenz der ankommenden Schiffe und Besucher*innen führt zu einem deutlich höheren Energiebedarf. Der Umstieg auf Landstrom wird hier als besonders spürbar sein.

Fazit

Mit dem neuen Landstrom-Projekt in Wien wird eine der größten Lücken entlang der österreichischen Donau geschlossen. Wien Energie sorgt dafür, dass Schiffe künftig sauber, leise und nachhaltig mit Strom versorgt werden. Das bedeutet mehr Lebensqualität in der Stadt und einen wichtigen Schritt für die maritime Energiewende.

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