Inside Wien Energie: Wie der Müll zu Energie wird
Zum 25-Jahr-Jubiläum der Neugestaltung Spittelau haben wir mit langjährigen Mitarbeiter*innen gesprochen.
Im Zuge des Hundertwasser-Herbstes und des 25-Jahr-Jubiläums der Neugestaltung Spittelau haben wir auch mit einigen langjährigen Mitarbeiter*innen gesprochen. Teilweise haben sie den Künstler sogar persönlich kennengelernt. Einer davon ist Harald Bauer.
In der Kommandozentrale am Kranarm

So sieht der tägliche Arbeitsplatz von Harald Bauer aus. Er sitzt in seiner Kommandozentrale, beide Hände am Schaltknopf, um den riesigen Kranarm zu betätigen. Harald Bauer arbeitete bereits in der Müllverbrennungsanlage Spittelau, als der Künstler Friedensreich Hundertwasser sie neu gestaltete.
Konzentriert sitzt Harald Bauer hoch oben in der Krankabine hinter der Glasfront. Sein Blick wechselt zwischen dem riesigen Müllberg unter ihm und dem Bildschirm neben ihm hin und her. Er drückt an mehreren Hebeln und Knöpfen, um einen der zwei tonnenschweren Greifarme zu steuern. Dieser gräbt sich in den Müllberg, bewegt sich schräg nach oben und lässt eine große Ladung zielgenau in den Verbrennungsofen hinabrieseln. Bei Führungen durch die Müllverbrennungsanlage Spittelau ist dieser Ort ein Highlight.
Kunst und Müll an einem Ort

Tatsächlich erinnert Harald Bauers Arbeit an das Greifautomatenspiel im Prater – nur dass nicht Stofftiere, sondern Abfall vom einen zum anderen Ort transportiert wird. So einfach, wie es aussieht, ist es aber nicht. Es braucht tatsächlich viel Zeit, um das zu beherrschen. Die Mitarbeiter*innen in der Krankabine müssen darauf achten, dass sich in den Verbrennungsöfen jederzeit genügend Material befindet – immerhin werden jede Stunde 16 Tonnen Müll aus Wiener Haushalten in Energie umgewandelt, um auf 800 Tonnen täglich zu kommen.
Zu viel Material darf Bauer jedoch auch nicht in den Kessel werfen, denn sonst wird dieser verstopft. Außerdem muss der von den Müllwägen abgeladene Abfall auf den Berg geschlichtet werden. Die Kunst ist es, so zu stapeln, dass wir möglichst viel hineinbringen.
„Deprimierende Architektur macht die Seele krank“

Harald Bauer war live dabei und konnte miterleben, wie die Müllverbrennungsanlage neu gestaltet wurde. Denn als er 1989 als Portier seinen ersten Dienst antrat, wurde die thermische Abfallbehandlungsanlage gerade von Friedensreich Hundertwasser umgestaltet. Harald Bauer bezeichnet Hundertwasser als „witzigen Typen“, der immer zwei bunte Socken anhatte und einen Holzkoffer dabei. Außerdem wollte er nur als „Meister“ und nicht als „Hundertwasser“ angesprochen werden. Seitdem ist nicht nur die Fassade bunt, sondern auch vieles im Inneren der Anlage.
Früher war es kahl, aber Hundertwasser lag die Natur sehr am Herzen. Heute ist die Fassade der Anlage mit Pflanzen und Bäumen begrünt.


