Hochwasser & Strom: Was ist zu beachten?
Von Hochwasser spricht man, wenn der Wasserstand von Flüssen und Bächen über mehrere Tage den normalen Pegelstand überschreitet. Kommt es zusätzlich zu Überschwemmungen, ist höchste Vorsicht bei der Stromversorgung geboten.
Das Wichtigste in Kürze
- Strom und Wasser sind eine lebensgefährliche Kombination – überflutete Räume niemals betreten!
- Elektrische Geräte und Heizsysteme frühzeitig ausschalten und vom Netz trennen.
- Wichtige Dokumente, Geräte und Vorräte in höhere Stockwerke bringen.
- Notfallausrüstung wie Taschenlampen, Batterien, Radio, Trinkwasser und Lebensmittel bereithalten.
- Nach dem Hochwasser: Elektrische Anlagen und Geräte nur von Fachleuten prüfen und wieder in Betrieb nehmen lassen.
- Photovoltaikanlagen und Speicher nicht selbst anfassen – Einsatzkräfte informieren und Fachfirma beauftragen.
- In Wien schützt die Donauinsel gemeinsam mit Rückhaltebecken und baulichen Maßnahmen vor großflächigen Überschwemmungen.
Gefahren von Hochwasser für die Stromversorgung
Bei Hochwasser kann es zu Stromausfällen oder gewollten Stromabschaltungen kommen. Dann funktionieren z.B. die Gastherme oder der Kühlschrank nicht mehr.
Wasser ist ein guter elektrischer Stromleiter. Die Gefahr eines tödlichen Stromschlags ist hier besonders hoch. Vor allem Räume, die unter Wasser stehen, dürfen nicht betreten werden. Es besteht Lebensgefahr! Sicherungen und Trennschalter, die normalerweise vor Stromschlägen schützen, funktionieren dann nicht mehr richtig oder verursachen Stromschläge. Ist der Hausanschluss oder der Zählerschrank überflutet, sollte die Feuerwehr verständigt werden. Darüber hinaus sind folgende Hinweise zu beachten:
- Elektrische Geräte wie z.B. Herd, Bügeleisen, Waschmaschine vorsorglich ausschalten und vom Netz trennen.
- Elektro- und Heizgeräte, wenn möglich, vom Netz trennen.
- Ventile von Gasheizungen schließen.
- Elektrische Geräte in höhere Stockwerke bringen oder anheben.
- Räume, in denen elektrische Leitungen zusammenlaufen, wie z.B. Technikraum oder Keller nicht betreten.
Was tun bei Stromausfall durch Hochwasser?
Falls noch nicht geschehen, wichtige elektrische Geräte, Dokumente und Habseligkeiten, die vom Hochwasser betroffen sein könnten, schnell in höhere Stockwerke bringen. Weitere Tipps:
Sicherheitsvorkehrungen treffen
Bei hochwasserbedingten Stromausfall sollten elektrische Geräte sofort vom Netz getrennt werden. Elektrische Geräte wie Herd, Bügeleisen, Waschmaschine können schon vorher vorsorglich ausgeschaltet und vom Netz genommen werden. Ventile von Gasheizungen schließen.
Notausrüstung und Vorräte
Notausrüstung wie Taschenlampen, Ersatzbatterien, Kerzen, Zünder, batteriebetriebene Radios und Ersatzbatterien griffbereit halten. Auch Vorräte wie Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamente, Babynahrung etc. in Sicherheit bringen (z.B. in ein höheres Stockwerk).
Nach dem Hochwasser

Die Schäden sollten für die Versicherung unbedingt fotografisch dokumentiert werden.
Bevor mit den Aufräum- und Abpumparbeiten begonnen werden kann, muss sichergestellt werden, dass keine gefährliche Spannung mehr im Wasser vorhanden ist. Auf keinen Fall darf selbst an elektrischen Anlagen hantiert werden. Es besteht Lebensgefahr.
Wurde der Hausanschluss oder der Zählerschrank überflutet, muss die Anlage vor der Inbetriebnahme unbedingt von einem Fachbetrieb überprüft werden. Die Gefahr eines elektrischen Schlages oder Brandes ist hier besonders hoch. Die Überprüfung des Hausanschlusskastens und des Stromzählers erfolgt durch den Netzbetreiber.
Durchnässte Haushaltsgeräte sollten nicht ohne Trocknung, Reinigung und Prüfung wieder in Betrieb genommen werden. Gegebenenfalls sind die Geräte durch einen Fachbetrieb überprüfen zu lassen. Eine Trockenlegung der Wohnung bzw. des Gebäudes kann notwendig sein.
Photovoltaikanlage und Speicher bei Hochwasser
Informieren Sie bei Hochwasser die Einsatzkräfte über die Photovoltaikanlage und/oder den Batteriespeicher. Berühren Sie selbst keine Anlagenteile. Die Einsatzkräfte bzw. eine Fachfirma werden ggf. Sofortmaßnahmen zur Sicherung einleiten.
Lassen Sie nach einem Hochwasser unbedingt die gesamte Photovoltaikanlage und/oder den Batteriespeicher von einer Fachfirma überprüfen. Der Fachbetrieb wird direkt nach der Überprüfung eventuell notwendige Wartungsarbeiten durchführen.
Auch wenn die Anlage mit einem „DC-Freischalter“ oder „Not-Aus-Schalter“ ausgestattet ist, können Teile der Anlage oder des Speichers noch unter Spannung stehen. Dies ist der Fall, wenn weiterhin Sonneneinstrahlung auf die Module erfolgt oder der Speicher noch Energie gespeichert hat.
Wie oft gibt es Hochwasser?
Hochwasserereignisse werden mit statistischen Wahrscheinlichkeiten berechnet. Ein hundertjährliches Hochwasser tritt statistisch gesehen alle 100 Jahre auf.
Innerhalb von 300 Jahren treten in unregelmäßigen Abständen 3 große Hochwasser auf.
Vorbereitung und Planung
Ein Hochwasser ist ein Ereignis höherer Gewalt. Wie kann man sich darauf vorbereiten?
Hochwassergebiet
Es empfiehlt sich, zu prüfen, ob man in einem Hochwassergebiet wohnt und welche Höhen das Wasser im Extremfall erreichen kann.
Wichtige Dokumente
Wichtige Dokumente, Wertgegenstände und teure Elektronik sollten in höheren Stockwerken oder auf Regalen über dem Wasserstand aufbewahrt werden.
Hausanschlüsse und Stromkreisverteiler
Diese sollten oberhalb des Pegelstands des zu erwartenden hundertjährigen Hochwassers installiert werden. Stromkreise mit Fehlerstromschutzschaltern müssen abgesichert werden. Bei drohendem Hochwasser sollte der Strom in gefährdeten Bereichen wie Keller oder Erdgeschoss abgeschaltet werden können.
Rückstauklappe
In Abwasserleitungen kann eine Rückstauklappe eingebaut werden. Diese verhindert, dass bei Hochwasser Abwasser aus der Kanalisation zurück ins Haus gedrückt wird.
Wasserdichte Türen und Fenster
In hochwassergefährdeten Gebieten empfiehlt sich der Einbau von wasserdichten Türen und Fenstern. Sandsäcke oder andere Barrieren lagern, um Eingänge und Fenster vor eindringendem Wasser zu schützen.
Notfallausrüstung
Für Notfälle wie Stromausfall oder Hochwasser sollte eine Notfallausrüstung im Haus vorhanden sein. Dazu gehören batteriebetriebene Taschenlampen sowie Funkgeräte und Ersatzbatterien, ein mobiles Ladegerät für das Handy, aufgeladene Akkus, ausreichend Trinkwasser und haltbare Lebensmittel für mehrere Tage.
Hochwasserschutz in Wien

Da es in Wien sehr viele Flüsse, Bäche und Gewässer gibt, wurde auch ein umfangreiches Hochwasserkonzept entwickelt. Wien wurde im Laufe seiner Geschichte immer wieder von Hochwässern heimgesucht. Besonders große Schäden verursachten die Hochwasser von 1501, 1830 und 1954.
Donauinsel
Diese Ereignisse führten zu umfangreichen Überlegungen und Planungen, wie die Stadt Wien besser vor dem Hochwasser der Donau geschützt werden kann. So wurde zwischen 1972 und 1988 die Donauinsel errichtet. Die Hauptfunktion der Donauinsel ist der Hochwasserschutz. Sie ist Teil eines ausgeklügelten Systems, das die Donau bei Hochwasser reguliert.
Bei starken Regenfällen oder Schneeschmelze kann die Donau große Wassermassen führen. In solchen Fällen wird das Wasser in die parallel zur Donau verlaufende "Neue Donau" umgeleitet.
Die Donauinsel trennt diese beiden Flussarme und hilft, das Wasser kontrolliert abzuleiten, sodass Überflutungen im Stadtgebiet vermieden werden können. Die Donau ist somit nicht nur ein beliebtes Naherholungsgebiet, sondern auch ein zentrales Element des Hochwasserschutzes in Wien.
Wienfluss
Der Wienfluss führt normalerweise ca. 200 Liter Wasser pro Sekunde. Bei Hochwasser kann er bis zu 450.000 Liter pro Sekunde führen. Mehrere Rückhaltebecken sorgen dafür, dass die Stadt bei einem 100-jährlichen Hochwasser von Überflutungen verschont bleibt.
Liesingbach
Der Liesingbach fließt 18,5 Kilometer durch Wien und ist im städtischen Bereich auf ein 100-jährliches Hochwasser vorbereitet. Angrenzende landwirtschaftliche Flächen wurden vor einem 30-jährlichen Hochwasser geschützt.
Wienerwaldbäche
An den Wienerwaldbächen werden immer wieder Maßnahmen zum Hochwasserschutz umgesetzt. Zum Beispiel wurden die Ufermauern erhöht und Wildholzrechen errichtet.
Fazit
Hochwasser stellt eine erhebliche Gefahr für die Stromversorgung und die persönliche Sicherheit dar. Besonders kritisch ist der Umgang mit elektrischen Anlagen in überfluteten Bereichen – hier besteht akute Lebensgefahr. Eine gute Vorbereitung, das richtige Verhalten im Ernstfall sowie die Nachsorge durch Fachleute sind entscheidend, um Schäden zu minimieren und Risiken zu vermeiden.
Wien ist durch ein ausgeklügeltes Hochwasserschutzsystem gut vorbereitet, dennoch bleibt Eigenverantwortung wichtig. Wer in gefährdeten Gebieten lebt, sollte präventive Maßnahmen treffen und regelmäßig überprüfen, ob die eigene Infrastruktur hochwassersicher ist.


