Geothermie in Wien: Nachhaltige Energie aus dem Untergrund

Unter Wien liegt ein großes Heißwasservorkommen, das bisher ungenutzt ist. In Aspern entsteht nun die erste Tiefengeothermie‑Anlage, die dieses Potenzial erschließen soll.
Aktualisiert am: 13.02.2026
Illustration der Wiener Skyline mit Aufschrift "Saubere Wärme aus der Tiefe nutzen"

Das Wichtigste in Kürze:

  • Geothermie liefert rund um die Uhr erneuerbare Wärme – unabhängig von Wetter, Tageszeit und Jahreszeiten und eignet sich ideal als Grundlast für urbane Wärmeversorgung.
  • In Wien liegt mit dem Aderklaaer Konglomerat ein geeignetes Heißwasservorkommen in 2.800–3.500 Metern Tiefe vor, mit Temperaturen von bis zu 100 °C.
  • Die erste Tiefengeothermie‑Anlage entsteht in Aspern und soll ab 2028 rund 20.000 Haushalte mit klimaneutraler Wärme versorgen.
  • Bis 2040 sind sieben Anlagen geplant, die bis zu 200.000 Haushalte mit regionaler, CO₂‑neutraler Fernwärme beliefern sollen.
  • Geothermie ist platzsparend, emissionsfrei und langfristig preisstabil und spielt eine zentrale Rolle auf Wiens Weg zur Klimaneutralität.

Was ist Geothermie?

Geothermie, auch als Erdwärme bekannt, bezeichnet die Nutzung der natürlichen Wärme aus dem Inneren der Erde. Diese Energiequelle ist unabhängig von Wetter, Tageszeit und Jahreszeiten. Sie steht rund um die Uhr zur Verfügung und gilt als eine der zuverlässigsten Formen erneuerbarer Energie. Man kann sie fürs Heizen, Kühlen und zur Stromerzeugung nutzen.

Mehr Infos zu den Einsatzmöglichkeiten und den technologischen Verfahren gibt’s im Blogbeitrag „Was ist Geothermie?“.

Tiefen-Geothermie vs. oberflächennahe Geothermie

Die Nutzung von Erdwärme unterscheidet sich je nach Tiefe der Erschließung:

  • Oberflächennahe Geothermie nutzt Erdwärme aus Tiefen von bis zu 300 Metern, meist über Erdwärmesonden oder Kollektoren. Diese Technologien eignen sich auch für die private Nutzung in Einfamilienhäusern.
  • Tiefengeothermie erschließt Wärmereservoire in mehreren Tausend Metern Tiefe. Dabei wird heißes Thermalwasser an die Oberfläche gepumpt. Dort wird ihm die Wärme entzogen, bevor das Wasser anschließend wieder in das Reservoir zurückgeführt wird. Es entsteht ein geschlossener und nachhaltiger Kreislauf.

Welche Voraussetzungen gibt es für die Nutzung von Geothermie?

Damit Geothermie wirtschaftlich und effizient genutzt werden kann, müssen bestimmte geologische Bedingungen erfüllt sein:

  • Ausreichend hohe Temperaturen im Untergrund
  • Wasserführende Gesteinsschichten (Aquifere)
  • Günstige geologische Struktur (z. B. Sedimentbecken)
  • Nähe zu Abnehmern wie Fernwärmenetze oder Industrieanlagen

Werden diese Voraussetzungen in Wien erfüllt?

Aderklaaer Konglomerat, Infografik Heißwasservorkommen unter Wien.
Die Zukunft der Wärmewende: Heißwasservorkommen unter Wien entdeckt

Ja! Wien liegt über dem sogenannten Aderklaaer Konglomerat, einer geologisch günstigen, wasserführenden Schicht in rund 3.000 Metern Tiefe. Diese eignet sich ideal für die Nutzung von Tiefengeothermie zur Fernwärmeversorgung.

Das Aderklaaer Konglomerat wurde bei den Forschungen im Zuge des Projekts GeoTief Wien entdeckt. Dabei haben wir gemeinsam mit Partner*innen aus Wissenshaft und Industrie zwischen 2016 und 2022 den geologischen Untergrund im Großraum Wien umfassend erforscht und ein 3D-Modell erstellt.

Welche Vorteile bietet Geothermie?

  1. Versorgungssicherheit über das ganze Jahr

    Während Sonnen- und Windenergie von Tageszeit und Wetter abhängig sind, liefert Geothermie ganzjährig konstant Energie. Das macht sie besonders geeignet für die Grundversorgung in urbanen Gebieten.

  2. Geringer Platzbedarf

    Geothermie-Anlagen benötigen nur wenig Platz an der Oberfläche. Sie lassen sich also gut in bestehende Infrastruktur integrieren. Das ist vor allem in dicht bebauten Städten ein Vorteil.

  3. CO2-neutral

    Im Betrieb ist Geothermie emissionsfrei. Sie trägt damit wesentlich zur Reduktion von Treibhausgasen bei und ermöglicht eine nachhaltige, regionale Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger.

Geothermie in Wien: So wird sie bereits genutzt

Welche Technologien kommen in Wien zum Einsatz?

In Wien entsteht derzeit die erste Tiefengeothermie‑Anlage der Stadt. Dafür setzen wir auf eine Kombination aus hydrothermaler Tiefengeothermie und Wärmepumpentechnologie. Das in 3.000 Metern Tiefe geförderte Wasser hat eine Temperatur von rund 100 °C und eignet sich direkt für die Einspeisung in das Fernwärmenetz. An besonders kalten Tagen kommt zusätzlich eine Wärmepumpe zum Einsatz, um die Temperatur weiter anzuheben.

Das Aderklaaer Konglomerat – Wiens geologischer Schatz

Das Aderklaaer Konglomerat ist eine rund 20 Millionen Jahre alte Gesteinsschicht, die sich unter Wien von Simmering bis Donaustadt erstreckt. Es handelt sich um ein poröses Sedimentgestein, das große Mengen Heißwasser enthält. Das macht es ideal für die geothermische Nutzung.

Wie heiß das Thermalwassers ist, hängt maßgeblich von der Tiefe ab, aus der es entnommen wird. Im Raum Wien nimmt die Temperatur mit der Tiefe durchschnittlich um etwa 3°C pro 100 Meter zu (bei durchschnittlich +11°C Oberflächentemperatur).

Wie tief liegt das geothermische Reservoir unter Wien?

Die wasserführende Schicht liegt in einer Tiefe von etwa 2.800 bis 3.500 Metern. Die dort gemessenen Temperaturen betragen bis zu 100 Grad Celsius, was eine direkte Nutzung zur Wärmeerzeugung ermöglicht.

Wie Geothermie zur Erreichung der Wiener Klimaziele beiträgt

Rund 40 % des Energieverbrauchs in Wien entfallen auf den Wärmesektor. Die Geothermie bietet hier eine klimafreundliche Alternative zu fossilen Energien. Wien Energie plant, bis 2040 ein Viertel der städtischen Fernwärme durch Tiefengeothermie zu decken. Geothermie ist also ein zentraler Baustein zur Erreichung der Wiener Klimaneutralität.

Aktuelle Geothermie-Projekte in Wien

Die Tiefengeothermie-Anlage in Wien, Aspern

Luftaufnahme von zwei großen industriellen Wasserbecken beim Bohrplatz der Tiefengeothermie-Anlage in Aspern, umgeben von Geräten und Bäumen.
Ein Wasserstrahl spritzt aus einem Rohr auf einem Industriegelände mit einem Baugerüst im Hintergrund.
Luftaufnahme des Bohrplatzes für Wiens erste Tiefengeothermieanlage in Aspern mit in Reihen angeordneten Geräten, Fahrzeugen, Wasserbecken und Lagerbehältern.
Eine Hand hält eine klare Wasserflasche mit der Aufschrift "deeep" vor der Tiefengeothermieanlage in Aspern, Wien.
Luftaufnahme von zwei großen industriellen Wasserbecken beim Bohrplatz der Tiefengeothermie-Anlage in Aspern, umgeben von Geräten und Bäumen.
Ein Wasserstrahl spritzt aus einem Rohr auf einem Industriegelände mit einem Baugerüst im Hintergrund.
Luftaufnahme des Bohrplatzes für Wiens erste Tiefengeothermieanlage in Aspern mit in Reihen angeordneten Geräten, Fahrzeugen, Wasserbecken und Lagerbehältern.
Eine Hand hält eine klare Wasserflasche mit der Aufschrift "deeep" vor der Tiefengeothermieanlage in Aspern, Wien.
Luftaufnahme von zwei großen industriellen Wasserbecken beim Bohrplatz der Tiefengeothermie-Anlage in Aspern, umgeben von Geräten und Bäumen.
Ein Wasserstrahl spritzt aus einem Rohr auf einem Industriegelände mit einem Baugerüst im Hintergrund.
Luftaufnahme des Bohrplatzes für Wiens erste Tiefengeothermieanlage in Aspern mit in Reihen angeordneten Geräten, Fahrzeugen, Wasserbecken und Lagerbehältern.
Eine Hand hält eine klare Wasserflasche mit der Aufschrift "deeep" vor der Tiefengeothermieanlage in Aspern, Wien.

Mit dem Joint Venture deeep baut Wien Energie gemeinsam mit OMV in Aspern die erste Tiefengeothermie-Anlage Wiens. Im Juli 2025 wurden die Bohrungen dafür abgeschlossen. Im Winter 2025/26 haben wir mehrere Förder- und Loop-Tests durchgeführt.

Beim Fördertest wurden 3.400 Kubikmeter Wasser aus rund 3.000 Metern Tiefe an die Oberfläche gepumpt und in ein Becken geleitet, um Temperatur, chemische Zusammensetzung und Fördermenge zu untersuchen. Formationswasser aus tausenden Metern Tiefe ist hochmineralisiert. Die genauen Bestandteile zu kennen, ist wichtig für die Detailplanung der Obertage-Anlage.

Beim sogenannten „Loop-Test“ wurden sowohl die Förderung als auch die Rückführung des Formationswassers in den Untergrund erstmals im geschlossenen Kreislauf durchgeführt.Die Ergebnisse der beiden Tests sollen im Frühjahr 2026 feststehen.

Die erste Tiefengeothermie-Anlage Wiens soll Ende 2028 in Betrieb gehen. Mit der Anlage können dann umgerechnet 20.000 Wiener Haushalte mit grüner Wärme aus der Tiefe beheizt werden.

Bis 2040 ist die Errichtung von sieben Anlagen geplant, die Fernwärme für bis zu 200.000 Haushalte bereitstellen sollen.

Key Facts:

  • Tiefe der Bohrung: bis zu 3.500 Meter
  • Temperatur des Thermalwassers: rund 100 °C
  • Geplante Leistung: bis zu 20 Megawatt thermisch
  • Versorgte Haushalte: ca. 20.000
  • Eingesparte CO₂-Emissionen: bis zu 54.000 Tonnen pro Jahr

Ausblick: Die Zukunft von Geothermie in Wien

Mit dem erfolgreichen Start der Pilotanlage in Aspern legt Wien Energie den Grundstein für den breiten Ausbau der Tiefengeothermie. Bis zu sieben weitere Anlagen sind in Planung. Geothermie wird so zu einem zentralen Pfeiler der Wärmewende in Wien. Ziel ist es, die Fernwärme für bis zu 200.000 Haushalte klimaneutral aus dem Untergrund bereitzustellen.

Geothermie in Wien: Nachhaltige Energie aus dem Untergrund - Wien Energie