Historische Funde bei Fernkälte-Ausbau
Im Zuge der Bauarbeiten für die Erweiterung unseres Fernkältenetzes tauchen immer wieder historische Schätze auf.
In zwanzig Jahren wird Europa laut Expert*innen in etwa so viel Kühlenergie wie Heizenergie brauchen. Um eine klimafreundliche Kühlmöglichkeit zu schaffen, setzen wir auf den Ausbau der Fernkälte. Mit der modernen Technologie werden mindestens 50 Prozent der CO2-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen eingespart.
Die Fernkälte ist allerdings nicht nur ein wichtiger Bestandteil unserer Zukunft, ihr Ausbau birgt auch spannende Schätze aus der Vergangenheit. Bei den Fernkälte-Grabungen werden nämlich immer wieder interessante Artefakte gefunden. Deshalb sind auch meist Stadtarchäolog*innen vor Ort, die nach dem erfolgten Aushub die freigelegten Seitenwände der Grube sichten, Funde freilegen und diese untersuchen, fotografieren und dokumentieren. Wir haben in unserem Blog ein paar Beispiele dieser historischen Funde zusammengefasst.
Entdeckung von Überresten eines Legionslagers

Im Zuge der Erweiterung des Fernkältenetzes wurden Überreste eines Legionslagers von Vindobona zum Vorschein gebracht. Die historische Stätte befindet sich in der Bognergasse, Ecke Seitzergasse. „Wir bauen hier eine Verbindungsleitung der Fernkältezentrale Renngasse Richtung Tuchlauben, damit wir einige Gebäude an die Fernkälte anschließen können und diese mit umweltfreundlicher Kühlung versorgen können“, sagt Alexander Wallisch zum Ausbau der Fernkälteleitung.
„Während der Grabungen sind wir auf Überreste eines ehemaligen Zenturionenquartiers im Legionslager gestoßen“, erklärte Christian Aigner, Leiter der Abteilung Netztechnik Betrieb Erdgas und Fernwärme der Wiener Netze, die die Arbeiten für Wien Energie durchführt. Tag für Tag passieren Tausende Menschen die Ecke Bognergasse, Seitzergasse in der Wiener Innenstadt. Doch wer hier in die Schaufenster von Louis Vuitton oder Chanel blickt, ahnt nicht, welche Schätze sich unter seinen Füßen befindet.
Der Schatz unter der Stadt
Genauer gesagt wurden die Überreste einer Kommandozentrale des römischen Legionslagers gefunden, in dem der Zenturio gewohnt hat. So kommt die Stadtarchäologie der Rekonstruktion des römischen Lagers Vindobona immer näher, wie auch Archäologe Martin Mosser beschreibt: „Die Fernkälteleitung durchquert verschiedene Bereiche des Legionslagers: die Kassernenbauten und eben den Kopfbau, in dem der römische Zenturio sein Quartier gehabt hat.“
„Die Stadtarchäologie wird im Vorhinein vom Bauvorhaben informiert“, sagt Alexander Wallisch. Als Konsequenz daraus wird die Baustelle intensiv von den Archäolog*innen betreut und näher begleitet, damit keine historischen Schätze übersehen werden. In Planung ist, diese besonderen Fundstücke im Wien Museum auszustellen, damit sie auch für die Öffentlichkeit zugänglich werden.
Mauerreste auf der Dominikanerbastei

Aber auch bei den Bauarbeiten für Fernkälte-Leitungen auf der Dominikanerbastei nahe dem Franz-Josefs-Kai kamen archäologische Funde ans Licht. Es wurden Reste von einer Mauer entdeckt, die zwischen 1561 und 1563 als Teil der Biberbastei errichtet wurde. Die Ziegel sind also rund 500 Jahre alt. „Wir hatten historische Pläne, auf denen die Mauer eingezeichnet war. Dass wir sie nun genau an der Stelle vorgefunden haben, ist sehr aufregend“, sagt Heike Krause von der Stadtarchäologie.
Bei diesem historischen Fund handelt es sich um die Außenmauer der Biberbastion. Nach der überstandenen Ersten Türkenbelagerung im Jahr 1529 entschied Ferdinand I. von Habsburg, Wien zu einer Festung auszugestalten, da die bestehende mittelalterliche Stadtmauer dem Kanonenbeschuss nicht standhielt. So wurde mit dem Bau mehrerer massiver Bauwerke vor dem Festungswall, sogenannten Bastionen (auch Basteien genannt), begonnen.
Heike Krause: „Festungsbaumeister und Maurermeister reisten extra aus Italien an, um den Bau zu errichten. Außerdem wurden eigens Ziegelöfen im Stadtgraben aufgestellt, um den massiven Verbrauch an Ziegeln zu decken. Die Ziegel haben ein gewisses Format. Daran erkennen wir, aus welcher Zeit sie stammen.“
In der ersten Bauphase der Biberbastei wurde eine große Plattform für das Aufstellen von Geschütz errichtet. Allerdings gestalteten sich die Arbeiten schwierig: Immer wieder kämpften die Bauarbeiter gegen den feuchten Untergrund, außerdem explodierten die Kosten. Im ersten Schritt entstand eine untermauerte viereckige Bastei.
In der Hauptbauphase von 1561 bis 1563 wurde die eigentliche Biberbastei mit drei bis vier Meter dicken Wallmauern errichtet. Sie blieb bis 1858 voll bestehen. Erst als die Franz-Josephs-Kaserne 1858 errichtet wurde, wurden die südlichen Teile der Biberbastion aufgegeben. Nur der am Kai gelegene Abschnitt blieb noch erhalten. Die Franz-Josephs-Kaserne selbst blieb nur 42 Jahre bestehen. Dann wurde sie abgerissen und neu bebaut – unter anderem mit der Postsparkasse. „Jeder gefundene Mauerteil wird sorgfältig vermessen und dokumentiert“, erklärt Sabine Jäger-Wersonig von der Stadtarchäologie.
Auch in Zukunft sind historische Funde sehr wahrscheinlich

Wir arbeiten stetig am Ausbau der nachhaltigen Kühlung unserer Stadt. Deshalb werden die Bauarbeiten für das Fernkältenetz daher auch in den nächsten Jahren weitergehen. Dass weitere historische Funde gemacht werden, ist also sehr wahrscheinlich. „Wir arbeiten sehr eng mit dem Denkmalamt und der Stadtarchäologie zusammen. Denkmalschutz tritt auch unterirdisch auf“, sagt Projektleiter Florian Eckschlager von Wien Energie.


