Energieausweis einfach erklärt: Das bedeuten Kennwerte und Effizienzklassen

Egal ob Verkauf, Vermietung, Verpachtung, Neubau oder Sanierung, die Vorlage des Energieausweises ist gesetzlich vorgeschrieben. Wir klären auf, was die wichtigsten Kennzahlen bedeuten.
Aktualisiert am: 23.09.20266 Min. Lesezeit
Im Hintergrund ist ein verschwommenes Haus zu sehen, im Vordergrund ist deutlich ein Energieausweis zu sehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Energieausweis ist ein verpflichtendes Dokument bei Verkauf, Vermietung, Verpachtung, Neubau oder umfassender Sanierung eines Gebäudes.
  • Er zeigt, wie energieeffizient ein Gebäude ist und ermöglicht den Vergleich verschiedener Immobilien.
  • Der Energieausweis ist vergleichbar mit einem Typenschein, nur eben für Immobilien.
  • Auf der ersten Seite des Energieausweises stehen zwei zentrale Bewertungen: eine für die Gebäudehülle und eine für die Gesamtenergieeffizienz.
  • Seit Juli 2026 gelten in Wien die Effizienzklassen von A bis G. Die früheren Klassen A++ und A+ entfallen.
  • Ein Energieausweis ist 10 Jahre gültig.

Der Energieausweis ist vergleichbar mit dem Typenschein eines Autos. Er zeigt, wie energieeffizient ein Gebäude ist und hilft dabei, verschiedene Immobilien objektiv miteinander zu vergleichen.

Wir haben die wichtigsten Informationen zu Energieausweis und Effizienzklassen zusammengefasst:

Was ist der Energieausweis?

Ein Energieausweises bietet einen Überblick darüber, wie energieeffizient ein Gebäude ist. Darüber sollten sich alle Gedanken machen, die vorhaben eine Wohnung zu mieten, ein Haus zu kaufen oder ein Gebäude zu sanieren.

Im Energieausweis stellen verschiedene Kennwerte dar, wie viel Energie ein Gebäude rechnerisch benötigt. Wichtig dabei: Die Kennwerte zeigen keinen tatsächlichen Verbrauch. Dieser wird nämlich durch das persönliche Heizverhalten wie etwa die gewünschte Raumtemperatur oder die Anzahl der Bewohner*innen beeinflusst. Die Kennwerte ermöglichen aber, Gebäude anhand ihres Energiebedarfs und rechnerischen -verbrauchs miteinander zu vergleichen.

Seit 2012 ist die Vorlage eines Energieusweises bei Verkauf, Vermietung oder Verpachtung eines Gebäudes sowie bei der Baueinreichung und beim Förderantrag für Neubau und Sanierung gesetzlich vorgeschrieben. Dies ermöglicht eine schnelle Vergleichbarkeit von verschiedenen Gebäuden und Wohnungen. Ein erstellter Energieausweis ist für 10 Jahre gültig.

Käufer*innen und Mieter*innen erfahren darin auch, wie sie die Energieeffizienz des Gebäudes verbessern können.

Welche Informationen beinhaltet der Energieausweis?

Auf den ersten Blick enthält ein Energieausweis viele Abkürzungen, Zahlen und technische Angaben. Dahinter stehen aber relativ einfache Fragen: Wie gut hält ein Gebäude die Wärme? Wie viel Energie wird insgesamt benötigt? Welche Heizung und welche Energieträger kommen zum Einsatz? Und welche Auswirkungen hat das auf die Treibhausgasemissionen?

Die wichtigsten Kennwerte auf einen Blick

Auf der ersten Seite des neuen Energieausweises stehen zwei zentrale Kennwerte: der Referenz-Heizwärmebedarf (HWBRef,SK) und der Endenergiebedarf (EEBSK), jeweils bezogen auf das Standortklima.

Beide Werte werden jeweils einer Effizienzklasse von A bis G zugeordnet. Deshalb finden sich auf der ersten Seite oft zwei unterschiedliche Klasseneinstufungen.

  1. Referenz-Heizwärmebedarf unter Standortklima (HWBRef,SK)

    Der Referenz-Heizwärmebedarf bewertet die Qualität der Gebäudehülle. Dabei wird betrachtet, wie gut Wände, Fenster, Dach und Dämmung die Wärme im Gebäude halten. Ein niedriger Wert und eine gute Klasse bedeuten, dass über die Gebäudehülle vergleichsweise wenig Wärme verloren geht.

  2. Endenergiebedarf unter Standortklima (EEBSK)

    Der Endenergiebedarf unter Standortklima (EEBSK) bewertet das Gebäude umfassender. Er berücksichtigt bei Wohngebäuden neben dem Energiebedarf für Heizung auch Lüftung, Warmwasser und Haushaltsstrom. Auch die Gebäudetechnik, der verwendete Energieträger und eigene Energieerträge fließen in die Einstufung ein.

Warum können die Klassen unterschiedlich sein?

Die beiden Kennwerte bewerten unterschiedliche Aspekte eines Gebäudes. Deshalb können sie zu unterschiedlichen Klasseneinstufungen führen.

Ein Gebäude kann beispielsweise sehr gut gedämmt sein und deshalb beim Referenz-Heizwärmebedarf eine gute Klasse erreichen. Die Einstufung der Gesamtenergieeffizienz kann dennoch schlechter ausfallen, wenn die technische Ausstattung oder die Energieversorgung weniger effizient ist.

Was bedeuten die Effizienzklassen?

Wärmebilder, Energieausweis, Stift und Baupläne auf einem Tisch.

Die Effizienzklassen von A bis G funktionieren ähnlich wie das Energielabel bei Haushaltsgeräten. Je weiter vorne die Klasse im Alphabet liegt, desto energieeffizienter ist das Gebäude.

  • A steht für einen sehr niedrigen rechnerischen Energiebedarf des Gebäudes.
  • G steht für einen sehr hohen rechnerischen Energiebedarf.

Grundsätzlich gilt: Je besser die Klasse, desto effizienter ist das Gebäude.

Die Klasse allein verrät aber weder den tatsächlichen Verbrauch noch die konkreten Heizkosten. Sie hilft vor allem dabei, Gebäude nach einheitlichen Bedingungen miteinander zu vergleichen.

Diese Klassifizierung von A bis G gilt in Wien seit Juli 2026. Davor hat es auch die Klassen A++ oder A+ gegeben.

Hinweis auf eine Energie- oder Renovierungsberatung

Schlechtere Einstufungen bedeuten nicht automatisch, dass ein Gebäude saniert werden muss. Sie können aber ein Hinweis darauf sein, dass energetische Verbesserungen sinnvoll wären.

Deshalb enthält der Energieausweis bei Klassen unterhalb von C einen Hinweis auf eine Energie- oder Renovierungsberatung. Bei der Beratung lässt sich genauer prüfen, wo Energie verloren geht und welche Verbesserungen für das Gebäude sinnvoll sein könnten.

Klassen für die thermische Gebäudehülle

Je niedriger der HWBRef,SK ist, desto besser hält die Gebäudehülle die Wärme im Gebäude. Eine schlechtere Klasse kann darauf hinweisen, dass über Wände, Fenster, Dach oder andere Bauteile vergleichsweise viel Wärme verloren geht. Welche Ursache dafür verantwortlich ist, lässt sich aus der Klasse allein aber nicht ablesen.

KlasseReferenz-Heizwärmebedarf (HWBRef,SK)
Abis 40 kWh/m²a
Büber 40 bis 60 kWh/m²a
Cüber 60 bis 75 kWh/m²a
Düber 75 bis 85 kWh/m²a
Eüber 85 bis 100 kWh/m²a
Füber 100 bis 120 kWh/m²a
Güber 120 kWh/m²a

Was bedeutet das praktisch?

A bis BDie Gebäudehülle hält Wärme vergleichsweise gut im Gebäude.
C bis DDie Gebäudehülle liegt im mittleren Bereich. Verbesserungen können abhängig vom Gebäude sinnvoll sein.
E bis GÜber die Gebäudehülle geht vergleichsweise viel Wärme verloren. Eine Energieberatung kann mögliche Verbesserungen aufzeigen.

Klassen für die Gesamtenergieeffizienz

Bei der Klassifizierung des Endenergiebedarf unter Standortklima (EEBSK) fließen unter anderem der Energiebedarf für Heizung, Lüftung, Warmwasser und Haushaltsstrom ein. Eigene Energieerträge, etwa aus einer Photovoltaikanlage, werden ebenfalls berücksichtigt.

Für die Einteilung spielt außerdem eine Rolle, ob das Gebäude mit dekarbonisierten oder fossilen Energieträgern versorgt wird. Bei einer fossilen Energieversorgung wird die Klasse mit dem Zusatz „fossil“ dargestellt, zum Beispiel Bfossil oder Cfossil. Eine Klasse Afossil ist nicht vorgesehen. Die beste mögliche Einstufung bei fossiler Energieversorgung ist daher Bfossil.

Klassengrenzen des EEBSK

EEBSKDekarbonisierte EnergieversorgungFossile Energieversorgung
bis 90 kWh/m²aAkeine entsprechende Klasse
über 90 bis 110 kWh/m²aBBfossil
über 110 bis 125 kWh/m²aCCfossil
über 125 bis 140 kWh/m²aDDfossil
über 140 bis 155 kWh/m²aEEfossil
über 155 bis 175 kWh/m²aFFfossil
über 175 kWh/m²aGGfossil

Eine gute EEBSK-Klasse bedeutet, dass das Gebäude insgesamt einen vergleichsweise niedrigen berechneten Endenergiebedarf hat. Eine schlechtere Klasse weist auf einen höheren Endenergiebedarf hin.

Wie man in den Beispielen erkennen kann, spielt die Energiekennzahl eines Gebäudes/einer Wohnung eine sehr große Rolle bei den Heizkosten. Die Heizkosten kann man z.B. dadurch senken, dass man auf die richtige Raumtemperatur achtet. Auch Energiespartipps rund ums Thema heizen helfen, um Energiekosten zu sparen. Wer einen Energieausweis benötigt, kann sich gerne an unsere Energieberatung wenden.

Fachbegriffe im Energieausweis erklärt

Neben Referenz-Heizwärmebedarf und Endenergiebedarf enthält der Energieausweis noch weitere Angaben zum Gebäude, zur Haustechnik und zur Nutzung erneuerbarer Energie.

  1. Standortklima

    Im Energieausweis wird das Klima am Standort des Gebäudes berücksichtigt. Dadurch fließen regionale Unterschiede in die Berechnung ein.

    Ein Gebäude in einer kälteren Region benötigt unter sonst gleichen Bedingungen mehr Heizwärme als dasselbe Gebäude in einer wärmeren Region. Deshalb ist das Standortklima wichtig für eine realistische und vergleichbare Bewertung.

    Die Abkürzung SK steht für Standortklima. Sie findet sich bei mehreren Kennwerten im Energieausweis, etwa beim HWBRef,SK oder beim EEBSK.

  2. Heizwärmebedarf (HWB)

    Der Heizwärmebedarf (HWB) ist nicht dasselbe wie der Referenz-Heizwärmebedarf (HWBRef).

    Der Heizwärmebedarf gibt an, wie viel Wärme ein Gebäude rechnerisch zum Heizen benötigt. Der Wert wird in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) angegeben. Grundsätzlich gilt: Je niedriger der Wert, desto weniger Energie wird zum Heizen benötigt.

    Der Referenz-Heizwärmebedarf (HWBRef) bewertet dagegen vor allem die thermische Gebäudehülle. Aber das haben wir weiter oben eh schon ausführlich beschrieben.

    Also zusammengefasst: Der HWB hilft bei der Einschätzung des Heizwärmebedarfs eines Gebäudes. Der HWBRef zeigt, wie gut die Gebäudehülle die Wärme im Gebäude hält.

  3. U-Wert

    Der U-Wert beschreibt, wie viel Wärme durch ein Bauteil wie Fenster, Wand, Dach oder Tür verloren geht. Je niedriger der U-Wert ist, desto besser ist in der Regel die Wärmedämmung. Ein niedriger U-Wert spricht daher grundsätzlich für eine energieeffiziente Gebäudehülle.

  4. Warmwasserwärmebedarf (WWWB)

    Der Warmwasserwärmebedarf (WWWB) beschreibt, wie viel Energie rechnerisch für die Bereitstellung von Warmwasser benötigt wird.

    Je höher der Wert, desto mehr Energie wird für Duschen, Baden oder Warmwasser aus Wasserhähnen benötigt.

  5. Bruttogrundfläche & Bruttogeschoßfläche

    Die Bruttogrundfläche ist die Fläche, die ein Gebäude auf dem Grundstück einnimmt.

    Die Bruttogeschossfläche umfasst die Fläche aller Geschosse einschließlich der Wandflächen. Sie dient als Grundlage für verschiedene Berechnungen im Energieausweis.

Fazit

Der Energieausweis hilft dabei, Gebäude hinsichtlich ihrer Energieeffizienz zu vergleichen. Besonders wichtig sind dabei die beiden Kennwerte für die Gebäudehülle (HWBRef,SK) und die Gesamtenergieeffizienz (EEBSK). Wer ihre Bedeutung kennt, kann Immobilien besser beurteilen und mögliche Sanierungsmaßnahmen leichter einschätzen.

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