Als der Ofen noch Mittelpunkt des Zuhauses war

Zuhause ist es am schönsten! Früher galt insbesondere der Ofen als Herzstück einer Wohnung. Wir haben zusammengefasst, wie sich seine Bedeutung in den Jahren gewandelt hat.
Aktualisiert am: 27.07.2023
Je nach Wohlstand des Haushalts gab es in Wiener Wohnungen im 19. Jahrhundert auch prunkvolle Öfen im Jugendstil. Sie wurden mit Kohle beheizt und standen meist im Wohnzimmer. In den Küchen gab es extra Öfen.

Zuhause ist der Ort, an dem wir entspannen, Zeit mit unserer Familie verbringen oder auch mal unsere Ruhe genießen und unsere Energien auftanken. Früher haben sich diese Dinge insbesondere in dem Raum abgespielt, in dem sich der Ofen und somit die Zentralheizung der Wohnung befunden haben. In unserem Blogartikel informieren wir dich über die Geschichte des Ofens und somit des Heizens in Wien.

So bestimmte die Wärmeversorgung den Alltag

Der erste „Amerikaner“, eine mit Dampf betriebene Zentralheizung, wurde in einer Luxuswohnung an der Ringstraße 1880 installiert


Der erste „Amerikaner“, eine mit Dampf betriebene Zentralheizung, wurde in einer Luxuswohnung an der Ringstraße 1880 installiert

Ein „Amerikaner“ war Ende des 19 Jahrhunderts noch ein richtiger Luxus. Als „Amerikaner“ wurde damals eine Zentralheizung bezeichnet, die mit einer eigenen Heizanlage im Keller mittels Dampf eine Wohnung beheizten konnte. Die erste Zentralheizung gab es in Wien in der kaiserlichen Hofburg, in einer Privatwohnung wurde ein „Amerikaner“ erstmals in einer Luxusresidenz an der Wiener Ringstraße 1880 verbaut. „Der Name kam daher, dass zu dieser Zeit solche Zentralheizungen in den USA bereits gängig waren, vor allem in den neu errichteten Hochhäusern in New York wurden sie verbaut“, erklärt Andreas Morocutti vom Brennpunkt – Museum für Heizkultur Wien.

In den Bürger- und Arbeiterwohnungen um 1900 hingegen heizten die Menschen mit gemauerten Ofenherden. Als Energieträger – auch für die „Amerikaner“ – diente damals fast ausschließlich Kohle, die aus Böhmen und Galizien nach Wien kam. Auch die Stromerzeugung basierte auf Steinkohle. Die Beschaffung, Lagerung und das Heizen mit Kohle gestalteten sich allerdings aufwendig: Der Brennstoff wurde von Kohlenhändler*innen regelmäßig in die Stadt geliefert und in den Kellern gelagert. Einmal pro Tag schleppten die Bewohner*innen die Tagesration mit einem Kohlekübel in ihre Wohnungen. Alle drei bis vier Stunden musste die Kohle nachgelegt werden, sodass das Feuer nicht ausging. „In vielen Haushalten strukturierte deshalb das Heizen den Tagesablauf. Vor allem das Reinigen der Öfen verursachte viel Arbeit“, sagt Morocutti.

Öfen als Zeichen des Wohlstands

Der Gussgliederdampfkessel Type Rapid war von 1905 bis 1982 im Psychiatrischen Krankenhaus auf der Baumgartner Höhe im Einsatz. Der Name des Kessels (rapidus = schnell) leitet sich davon ab, dass er sich relativ schnell aufheizen lässt. Er wurde vom Wiener Eisengiesserei Julius Pastrée hergestellt.


Der Gussgliederdampfkessel Type Rapid war von 1905 bis 1982 im Psychiatrischen Krankenhaus auf der Baumgartner Höhe im Einsatz. Der Name des Kessels (rapidus = schnell) leitet sich davon ab, dass er sich relativ schnell aufheizen lässt. Er wurde vom Wiener Eisengiesserei Julius Pastrée hergestellt.

In reicheren Haushalten waren diese Öfen wie Schmuckstücke, die mit Jugendstil-Elementen und aufwendig bemalten Kacheln verziert waren und Wohlstand symbolisierten. Auch Kachelöfen gab es damals nur in wohlhabenden Familien. „Oft gab es nur in der Küche einen Ofen. In Offiziers- oder Beamtenwohnungen gab es auch mehrere Heizstellen“, sagt Morocutti. „Meist war es Aufgabe der Bediensteten, die Öfen zu heizen.“

Zur Jahrhundertwende waren in der wachsenden Millionenstadt Wien auch bereits große Heiz- und Kühlanlagen im Einsatz. Der damalige Bürgermeister Karl Lueger propagierte die „wohltemperierte Stadt“ und ließ die Infrastruktur für die Elektrizitäts- und Wärmeversorgung der Stadt ausbauen. So wurden damals schon öffentliche Gebäude mit modernen Heizkesseln beheizt. Im Otto Wagner Spital auf der Baumgartner Höhe beispielsweise kam ein Gussgliederdampfkessel zum Einsatz, der mit Kohle beheizt wurde. Ein Rohrsystem verteilte den heißen Dampf dann in den Heizkörpern der Klinik. Dass solche ein Heizsystem eine Besonderheit war, merkt man an der besonders hübschen Jugendstil-Verzierung.

Als Kohle in Wien knapp wurde

In den Winter 1918 und 1919 war die Not in der Wiener Bevölkerung besonders groß. Die Menschen sammelten deshalb Brennholz im Wienerwald – mitunter fällten sie sogar ganze Bäume.


In den Wintern 1918 und 1919 war die Not in der Wiener Bevölkerung besonders groß. Die Menschen sammelten deshalb Brennholz im Wienerwald – mitunter fällten sie sogar ganze Bäume.

Während und nach dem ersten Weltkrieg wurde Kohle allerdings zu einem knappen Gut. Weil die Stadt durch zuziehende Menschen aus den ehemaligen Kronländern stark wuchs, stieg auch der Energiebedarf exponentiell. Doch weil Wien von den Versorgungszentren durch die neuen Grenzen abgeschnitten und das Transportwesen so gut wie zusammengebrochen war, herrschte in den Wintern 1918 und 1919 Kohleknappheit. Die Stadtregierung versuchte deshalb mittels Informationskampagnen, Menschen zur Sparsamkeit aufzurufen. Im November 1918 wurde der Gasverbrauch pro Haushalt und Tag schließlich beschränkt, die Straßenbeleuchtung eingeschränkt und der Straßenbahnbetrieb teilweise eingestellt. In ihrer Not pilgerten viele Wiener*innen in den Wienerwald, um Holz fürs Heizen zu sammeln. „Die Menschen lebten in furchtbarer Armut. Der Wienerwald war deshalb komplett ausgeräumt. Die Leute holten sich das Holz mit einer Rückentrage oder einem Leiterwagen zu Fuß aus dem Wald“, sagt Andreas Morocutti.

Heizen mit Kohle war allerdings nicht sehr populär: Ruß-, Dreck- und Schwefelpartikel belasteten die Luft. „Als ich ein Kind war und es im Winter geschneit hat, war am nächsten Tag der Schnee ganz schwarz vom Ruß“, erinnert sich Morocutti. So setzte die Stadt Wien in den 1950er Jahren verstärkt auf Erdgas als Energieträger.

Nach den beiden Weltkriegen war Kohle besonders knapp. Die Wiener Stadtregierung versuchte deshalb mit Kampagnen, Bewusstsein fürs Energiesparen zu schaffen.
Je nach Wohlstand des Haushalts gab es in Wiener Wohnungen im 19. Jahrhundert auch prunkvolle Öfen im Jugendstil. Sie wurden mit Kohle beheizt und standen meist im Wohnzimmer. In den Küchen gab es extra Öfen.
Historischer Ofen aus der Zeit des Biedermeier um 1820.
Nach den beiden Weltkriegen war Kohle besonders knapp. Die Wiener Stadtregierung versuchte deshalb mit Kampagnen, Bewusstsein fürs Energiesparen zu schaffen.
Je nach Wohlstand des Haushalts gab es in Wiener Wohnungen im 19. Jahrhundert auch prunkvolle Öfen im Jugendstil. Sie wurden mit Kohle beheizt und standen meist im Wohnzimmer. In den Küchen gab es extra Öfen.
Historischer Ofen aus der Zeit des Biedermeier um 1820.
Nach den beiden Weltkriegen war Kohle besonders knapp. Die Wiener Stadtregierung versuchte deshalb mit Kampagnen, Bewusstsein fürs Energiesparen zu schaffen.
Je nach Wohlstand des Haushalts gab es in Wiener Wohnungen im 19. Jahrhundert auch prunkvolle Öfen im Jugendstil. Sie wurden mit Kohle beheizt und standen meist im Wohnzimmer. In den Küchen gab es extra Öfen.
Historischer Ofen aus der Zeit des Biedermeier um 1820.
Nach den beiden Weltkriegen war Kohle besonders knapp. Die Wiener Stadtregierung versuchte deshalb mit Kampagnen, Bewusstsein fürs Energiesparen zu schaffen.
Je nach Wohlstand des Haushalts gab es in Wiener Wohnungen im 19. Jahrhundert auch prunkvolle Öfen im Jugendstil. Sie wurden mit Kohle beheizt und standen meist im Wohnzimmer. In den Küchen gab es extra Öfen.
Historischer Ofen aus der Zeit des Biedermeier um 1820.
Ofen » Geschichte & Bedeutung für unser Zuhause