Unternehmensgeschichte von Wien Energie Fernwärme
Die Anfänge - vom Wiederaufbau zur Wiener Fernwärmeversorgung
In der Zeit des Baubooms nach dem Zweiten Weltkrieg lag es nahe, die errichteten großen geschlossenen Wohnbauten an den Stadträndern zentral mit Heizwärme zu versorgen. In der Folge entstanden in Wien seit den sechziger Jahren zahlreiche zentrale Heizwerke - sogenannte Blockheizwerke und Heizzentralen. Ein zusammenhängendes Fernleitungsnetz zu errichten, stand in Österreich - insbesondere in Wien - aber in den ersten Nachkriegsjahrzehnten durch Kriegsschäden und damit verbundenen Wiederaufbaukosten nicht im Vordergrund.Infolge des Wiederaufbaus stieg der Wohlstand. Das führte seit den sechziger Jahren zu einer starken Zunahme der anfallenden Abfälle. Es war abzusehen, dass die bestehenden Abfalldeponien bald nicht mehr ausreichen würden. Mit der Anlage Flötzersteig errichtete die Stadt Wien daher Anfang der sechziger Jahre eine erste thermische Abfallbehandlungsanlage. Gleichzeitig begann der Bau des neuen Allgemeinen Krankenhauses, das zentral mit Wärme versorgt werden sollte. Eine zweite thermische Abfallbehandlungsanlage sollte beide Probleme lösen - und brachte darüber hinaus einen wertvollen Zusatznutzen:
Das neue Fernwärmewerk Spittelau mit integrierter thermischer Abfallbehandlungsanlage sollte nicht getrennt Wärme erzeugen und Abfälle verbrennen, sondern beides verbinden. Damit war das heute in Wien so erfolgreiche System der Nutzung von Abwärme zur Erzeugung von Fernwärme geschaffen.
Aufgrund des damit verbundenen Einsparungspotenzials bei Primärenergie (Öl und Gas) erwog die Stadt Wien, eine zusammenhängende Fernwärmeversorgung aufzubauen. Eine wesentliche Entscheidungshilfe war die 1965 von Dipl.-Ing. Franz Swaty, dem damaligen Leiter der Magistratsabteilung 32 (Haustechnik), erarbeitete „Synthese" - die Errichtung eines Fernwärmenetzes und dessen Nutzung im Sozialen Wohnbau. Um für dieses Großprojekt eine langfristig tragfähige finanzielle Basis zu schaffen, gründete die Stadt Wien mit Beschluss des Gemeinderats vom 30. Jänner 1969 die Heizbetriebe Wien (HBW). An der Spitze des neuen Unternehmens stand mit Dipl.-Ing. Franz Swaty der Vordenker der Fernwärme-Idee. Seine Nachfolger entwickelten diese Vision weiter. Heute zählt Wien Energie Fernwärme zu den größten Fernwärmeunternehmen Europas.
Meilensteine in der Unternehmensgeschichte
| 1967-1971 | Bau des Fernwärmewerks Spittelau mit integrierter thermischer Abfallbehandlungsanlage zur Wärmeversorgung des Allgemeinen Krankenhauses |
| 1969 | Gründung der Heizbetriebe Wien (HBW) |
| 1971 | Vertrag der Heizbetriebe Wien mit der Republik Österreich über die Wärmeversorgung von Bundesgebäuden |
| 1977 | In der thermischen Abfallbehandlungsanlage Spittelau wird die millionste Tonne Müll seit Inbetriebnahme verbrannt |
| 1978 | Durchgehende Fernwärme-Ringleitung um die Innere Stadt |
| 1980 | Österreichs größte Fernwärmeleitung, die Verbindung vom Kraftwerk Simmering in die Innenstadt, wird in Betrieb genommen |
| 1982 | Beginn des Testbetriebes für eine neue Fernwärmeverbindung von den Entsorgungsbetrieben Simmering zum Fernwärmenetz der Heizbetriebe Wien |
| 1985 | Übernahme der thermischen Abfallbehandlungsanlage Flötzersteig (bis dahin im Besitz der Stadt Wien) Einbau einer dreistufigen Rauchgas-Nasswäsche in der Anlage Flötzersteig |
| 1986 | Einbau einer dreistufigen Rauchgas-Nasswäsche in der Anlage Spittelau |
| 1987 | Großbrand in der Anlage Spittelau - ein Großteil der Anlage wird zerstört Beginn der Fernwärme-Lieferung aus der Kraft-Wärme-Kopplung Leopoldau |
| 1989 | Neueröffnung der wiederaufgebauten thermischen Abfallbehandlungsanlage Spittelau |
| 1992 | Fertigstellung der durch Friedensreich Hundertwasser als Gesamtkunstwerk umgestalteten Müllverbrennungsanlage Spittelau Aufnahme der Fernwärmelieferung aus dem neuen Block 3 des Kraftwerkes Simmering |
| 1993 | Einbau einer DENOX-Anlage in der Anlage Flötzersteig |
| 1994 | Umbenennung der Heizbetriebe Wien in Fernwärme Wien |
| 1996 | Inbetriebnahme des Fernheizwerks Inzersdorf |
| 1997 | Fernwärme Wien führt als erstes Energieversorgungsunternehmen Österreichs eine eigene Kundenkarte ein: die Fernwärme-Servicecard |
| 1998 | Erstes Fernwärme Open Air im Rahmen des Jazzfest Wien auf dem Müllbunkervorplatz in der Spittelau |
| 1999 | Inbetriebnahme der Fernleitung Süd-Ost zwischen dem Kraftwerk Simmering und der bestehenden Leitung am Verteilerkreis Favoriten Überschreitung der 200.000er-Marke bei Wohnungskunden |
| 2000 | Eingliederung des Verbrennungsteils der Entsorgungsbetriebe Simmering (EbS) in die Fernwärme Wien als "Werk Simmeringer Haide" |
| 2001 | Inbetriebnahme der Haupttransportleitung "Steinsporn I" zwischen den Kraftwerken Simmering und Donaustadt |
| 2002 | Inbetriebnahme der Haupttransportleitung "Steinsporn II" zwischen dem Kraftwerk Donaustadt und dem SMZ-Ost |
| 2003 | Wien Energie "Hochzeit": Wien Energie fungiert als Dachholding über Wienstrom, Gasnetz und Fernwärme Wien |
| 2004 | Inbetriebnahme des Wirbelschichtofens 4 in der Anlage Simmeringer Haide |
| 2005 | Das Fernwärmenetz überschreitet die 1.000km-Marke Inbetriebnahme der DENOX-Anlage in der Anlage Simmeringer Haide |
| 2006 | Umrüstung des Elektrofilters der Anlage Flötzersteig auf Gewebefilter zur besseren Staub- und Schwermetallabscheidung aus den Rauchgasen Zertifizierung der thermischen Abfallbehandlungsanlage Simmeringer Haide gemäß ÖNORM EN ISO 9001:2000, ÖNORM EN ISO 14001:2004 und OHSAS 18001:1999 sowie nach EMAS II |
| 2007 | Inbetriebnahme der ersten Fernkälteanlage im Stadtentwicklungsprojekt TownTown Zertifizierung der thermischen Abfallbehandlungsanlage gemäß ÖNORM EN ISO 9001:2000, ÖNORM EN ISO 14001:2004 und OHSAS 18001:1999 sowie nach EMAS II |
| 2008 | Eröffnung der dritten Wiener Hausmüllverbrennungsanlage Pfaffenau / Betriebsführung durch Wien Energie Fernwärme |
| 2009 | Inbetriebnahme der Fernkältezentrale in der Spittelau - das AKH wird der erste große Abnehmer Zertifizierung aller Erzeugungsanlagen von Wien Energie Fernwärme gemäß ÖNORM EN ISO 9001:2000, ÖNORM EN ISO 14001:2004 und OHSAS 18001:1999 sowie nach EMAS II |
| 2010 | Überschreitung der 300.000er-Marke bei Wohnungskunden |
| 2011 | Baubeginn der Geothermie-Anlage in Aspern/Eßling |


